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Standard "Pflege von Senioren mit Phimose und Paraphimose"

Selbst ohne zusätzliche Gesundheitskomplikationen ist die Intimversorgung von pflegebedürftigen Senioren nicht immer angenehm - für beide Seiten. Phimosen oder Paraphimosen erschweren die Versorgung zusätzlich, da die Reinigung sehr aufwendig wird und zusätzlich immer wieder Entzündungen auftreten. Wir zeigen Ihnen, welche Grundregeln unbedingt beachtet werden müssen.


Standard "Pflege von Senioren mit Phimose und Paraphimose"


Definition:

  • Bei einem erwachsenen Mann sollte sich die Vorhaut leicht und ohne Schmerzen komplett über die Eichel zurückziehen lassen. Ist dieses nicht möglich, liegt eine Vorhautverengung (“Phimose”) vor.
  • Eine Phimose ist meist angeboren. Sie kann aber auch das Resultat einer rezidivierenden Entzündung der Eichel oder der Harnwege sein. Insbesondere Senioren mit Diabetes mellitus können als Folge wiederkehrender Infektionen der Vorhaut eine Phimose entwickeln.
  • Eine Phimose erschwert die tägliche Reinigung des Penis. Dieses führt zum Ablagern von Sekret und steigert das Risiko einer Infektion. Bei chronischen Entzündungen kann sich letztlich ein Peniskarzinom entwickeln.
  • Eine Phimose lässt sich heute operativ behandeln. Diese Eingriffe gelten als komplikationsarm.
  • Bei einer Paraphimose ("Spanischer Kragen") liegt eine relative Vorhautenge vor. Die Vorhaut lässt sich zwar zurückstreifen, ist dann aber so einschnürend, dass es zu ödematösen Schwellungen und zu Durchblutungsstörungen kommen kann. Ein manuelles Zurückschieben ist möglich, führt aber häufig zu starken Schmerzen.
  • In der Folge kommt es zur Nekrose der Glans penis (das etwas verdickte Ende des Penis, sog. „Eichel“) und zum Vorhautgangrän (Form der ischämischen Nekrose) mit deformierender Narbenschrumpfung.
  • In vielen Fällen sind Pflegefehler mitverantwortlich. Also etwa, wenn nach einer Intimpflege oder nach einer Harnblasenkatheterisierung vergessen wurde, die Vorhaut wieder über die Eichel zu ziehen.

Grundsätze:

  • Geschlechtsorgane sind oftmals ein Tabuthema. Vielen Männern fällt es leichter, mit einer männlichen Pflegekraft über Gesundheitsprobleme im Genitalbereich zu reden. Sofern ein Mann im Pflegeteam tätig ist, sollte ggf. dieser den Dialog mit dem Bewohner führen.

Ziele:

  • Eine Phimose wird zeitnah erkannt.
  • Der Penis und insbesondere die Vorhaut des Bewohners werden vor Verletzungen geschützt.
  • Der Bewohner kann seinen Harn ohne Probleme entleeren auch bei der Anlage eines Dauerkatheters .
  • Die Schmerzbelastung wird minimiert.

Vorbereitung:

Wir achten auf Anzeichen für eine Erkrankung. Bei einem Verdacht regen wir eine ärztliche Untersuchung an.

  • Nach längerem Zurückstreifen einer zu engen Vorhaut über die Eichel bildet sich ein ödematöser Schnürring (Bild oben, rote Pfeile). Dieser macht ein Zurückziehen der Vorhaut über die Eichel unmöglich.
  • Der Bewohner klagt über Schwellungen, über Schmerzen und über Juckreiz am Penis.
  • Eine blaurote Verfärbung am Penis wird sichtbar.
  • Übel riechender Ausfluss tritt auf. Unter der Vorhaut bildet sich glasiges Wundsekret.
  • Es kommt zu Störungen bei der Harnentleerung. Die Vorhaut bläht sich beim Wasserlassen ballonförmig auf.
  • Der Bewohner berichtet über Schmerzen bei der Erektion.
  • Beim Bewohner treten Schmerzen und Schwierigkeiten beim Legen eines neuen Blasenkatheters auf.

Durchführung:

  • Der Bewohner wird aufgefordert, beim Baden oder beim Wasserlassen die Vorhaut vorsichtig zurückzuziehen. Durch dieses “Training” kann eine Phimose verhindert werden.
  • Wir verdeutlichen dem Bewohner, wie wichtig ein vorsichtiger Umgang mit der Vorhaut ist. Er sollte diese stets vorsichtig bewegen und nicht daran ziehen.
  • Der Bewohner sollte “ruppige” Sexualpraktiken vermeiden.
  • Wenn die Intimpflege von der Pflegekraft übernommen wird, achtet diese auf krankhafte Veränderungen (s. o.). Falls der Bewohner die Reinigung seiner Geschlechtsorgane selbst durchführt, wird er von der Pflegekraft gebeten, sich bei etwaigen Problemen oder Beobachtungen zu melden.
  • Wenn der Bewohner einen neuen Blasenkatheter benötigt, er aber unter einer akuten Phimose leidet, legt die Pflegekraft keinen Katheter. Der Bewohner wird dem Urologen vorgestellt.
  • Die Pflegekraft befragt den Bewohner regelmäßig zu etwaigen Beschwerden beim Wasserlassen. Sie reagiert, wenn der Bewohner seine Trinkmenge reduziert. Dieses kann eine Reaktion auf Schmerzen beim Toilettengang sein.
  • In vielen Fällen ist eine plastische oder radikale Zirkumzision erforderlich, also eine teilweise oder vollständige Entfernung der Vorhaut. Es ist insbesondere Aufgabe der Bezugspflegekraft, ggf. den Bewohner von der Notwendigkeit des Eingriffs zu überzeugen.
  • Nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus achten wir auf Nachblutungen und auf Schwellungen. Bei Nachblutungen wird umgehend der Hausarzt gerufen. Bei moderaten Schwellungen ist es zumeist ausreichend, den Penis hochzulagern.
  • Sofern angeordnet können wir am dritten postoperativen Tag damit beginnen, Kamillenbäder durchzuführen.
  • Sexuell aktiven Bewohnern machen wir deutlich, dass sie zumeist einen Monat lang keinen Geschlechtsverkehr haben dürfen, bzw. onanieren dürfen.

Nachbereitung:

  • Alle Maßnahmen werden sorgfältig dokumentiert.
  • Bei relevanten gesundheitlichen Veränderungen wird umgehend der Arzt gerufen.
  • Die Pflegeplanung wird stets dem aktuellen Zustand des Bewohners angepasst.
  • Möglicher Auslöser für eine Phimose kann eine unerkannte Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) sein. Gemeinsam mit dem behandelnden Arzt schließen wir diesen Risikofaktor aus.

Dokumente:

  • Leistungsnachweise "medizinische Pflege"
  • Pflegebericht
  • Wunddokumentation
  • Pflegeplanung

Verantwortlichkeit / Qualifikation:

  • Pflegefachkräfte



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