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Standard "Pflege von Senioren mit chronischem Sodbrennen / Refluxösophagitis"
Ernährung
umstellen oder doch lieber die schnelle Pille nach dem Essen? Viele vom
chronischen Sodbrennen geplagte Senioren vertrauen auf Medikamente aus
der Fernsehwerbung. Langfristig jedoch hilft gegen Refluxösophagitis
nur eine umfassende Strategie.
Standard "Pflege von Senioren mit chronischem Sodbrennen / Refluxösophagitis"
Definition:
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Bei einem gastroösophagealen Reflux kommt es zu
einem wiederholten Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre.
Auslöser dafür ist zumeist ein unvollständiger Verschluss des unteren
Speiseröhrensphinkters.
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Die aggressive Magensäure fließt in die
Speiseröhre und schädigt das Plattenepithel der
Speiseröhrenschleimhaut. Daraus kann sich eine Entzündung entwickeln
(Refluxösophagitis), die oftmals einen chronischen Verlauf nimmt.
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Ein nur gelegentlicher Reflux von kurzer Dauer in die Speiseröhre hingegen ist unproblematisch.
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Jeder fünfte Fall von chronischem Husten soll
die Folge von gastroösophagealem Reflux sein. Durch die Aspiration
kleiner Mengen Magensäure kommt es zu einer dauerhaften Reizung der
Bronchialschleimhaut.
Grundsätze:
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Sodbrennen sollte nicht unterschätzt werden.
Kommt es zu Komplikationen wie einem Ösophaguskarzinom, ist die
Gesundheit des Bewohners erheblich gefährdet. Möglich ist auch eine
nächtliche Aspiration von Mageninhalt.
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Jeder Bewohner hat das Recht, sein Leben und insbesondere auch sein Essverhalten eigenverantwortlich zu gestalten.
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Ohne eine langfristige Umstellung der Lebensgewohnheiten wird sich die Symptomatik nicht bessern.
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Eine Selbstmedikation mit rezeptfreien Medikamenten ist keine Alternative zu einer umfassenden ärztlichen Behandlung.
Ziele:
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Die akuten Beschwerden klingen ab. Durch eine langfristige Strategie wird ein Wiederauftreten der Symptomatik vermieden.
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Der Einsatz von Medikamenten sowie ein
operativer Eingriff werden durch eine Umstellung der Konsumgewohnheiten
(insbesondere der Ernährung) vermieden.
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Häufige Komplikationen der Refluxösophagitis
werden vermieden, insbesondere Blutungen aus Geschwüren, narbige
Strikturen (Einengungen) der Speiseröhre sowie maligne Entartungen der
chronisch entzündeten Schleimhaut.
Vorbereitung:
Symptome
Wir achten auf Symptome, die für eine sich entwickelnde Refluxösophagitis sprechen:
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Der Bewohner klagt über Magenschmerzen,
Luftaufstoßen, Sodbrennen sowie über ein saures Aufstoßen. Die
Symptomatik ist besonders intensiv nach einer Nahrungsmittelaufnahme.
Aber auch das Liegen oder Bücken verstärkt die Beschwerden.
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Es kommt später zu Beschwerden beim Schlucken.
Der Bewohner berichtet von Schmerzen, deren Ausgangspunkt hinter dem
Brustbein liegt. Zu den weiteren Krankheitszeichen zählen Reizhusten,
Heiserkeit, asthmaähnliche Luftnot sowie ein Zurückströmen von Nahrung
aus dem Magen in die Mundhöhle (Regurgitation)
Wenn hinreichende Anzeichen für eine Erkrankung sprechen, wird der
Bewohner seinem Hausarzt bzw. einem Facharzt vorgestellt. Wir bedenken
gleichzeitig, dass Schmerzen im Brustkorb immer auch ein Warnzeichen
für einen Herzinfarkt sein können.
Durchführung:
Umstellung der Ernährung und des Konsums von Genussmitteln
Der Bewohner
sollte das Rauchen einstellen oder zumindest signifikant reduzieren.
Nikotin fördert die Vasokonstriktion (Gefäßverengung). In der Folge
wird die Speiseröhrenschleimhaut schlechter durchblutet und ist somit
anfälliger für Schädigungen durch die Magensäure.
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Der Alkoholkonsum und der Süßspeisenkonsum werden auf ein Minimum reduziert. Alkohol und Süßwaren gelten als "Säurelocker".
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Auf Kaffee muss der Bewohner nicht generell
verzichten. Er sollte verschiedene Sorten probieren. Bestimmte
Kaffeesorten werden ggf. gut vertragen, während andere Produkte zu
Beschwerden führen.
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Drei Stunden vor dem Zubettgehen sollte der
Bewohner keine Speisen mehr zu sich nehmen. Folglich entfallen alle
Spätmahlzeiten. Der Termin für das Abendessen wird ggf. angepasst.
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Der Bewohner erhält eiweißreiche und fettarme Kost. Eiweiß fördert den Verschlussmechanismus. Fett hingegen hemmt ihn.
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Der Bewohner soll schwer verdauliche Speisen
meiden, also etwa Kohl und Hülsenfrüchte. Diese erhöhen den Druck auf
den Sphinkter, da sie eine lange Verweildauer im Magen haben.
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Der Bewohner soll den Konsum von kohlensäurehaltigen Getränken reduzieren.
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Auf eine Würzung der Speisen mit scharfen Gewürzen sollte verzichtet werden. Auch Pfefferminz ist problematisch.
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Nach dem Essen soll der Bewohner Kaugummi kauen. Der erhöhte Speichelfluss spült die Speiseröhre.
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Der Bewohner sollte beim Essen sitzen. Ist es
nicht möglich, den Bewohner für die Mahlzeit aus dem Bett zu
mobilisieren, so wird zumindest das Kopfteil hochgestellt und der
Oberkörper aufgerichtet.
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Der Bewohner sollte statt der drei Hauptmahlzeiten bevorzugt fünf kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen.
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Wir streben eine Normalisierung des BMI an.
Insbesondere sollte etwaiges Übergewicht durch eine angepasste
Ernährung abgebaut werden, da dadurch der Druck auf den unteren
Speiseröhrensphinkter reduziert wird.
nicht-medikamentöse Maßnahmen
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Wir prüfen, ob natürliche Behandlungsmethoden
das Sodbrennen lindern. Wir bieten dem Bewohner ein Glas verdünnte,
warme Milch sowie ein Stück Weißbrot an. Ein Joghurt puffert Säure
aufgrund seines Eiweißgehalts.
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Bei akuten Beschwerden verschaffen Heilerde und
Basenpulver oftmals Linderung. Die langfristige Einnahme solcher
Präparate hingegen ist nicht sinnvoll, da diese Wirkstoffe letztlich zu
einer Erhöhung der Säureproduktion führen.
medikamentöse Therapie
Wir raten dem Bewohner von der eigenmächtigen Einnahme rezeptfreier Medikamente ab.
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Wir stellen sicher, dass die ärztlich
verordneten Medikamente regelmäßig eingenommen werden. Insbesondere bei
stärkeren Beschwerden können Protonenpumpenblocker oder H2-Blocker die
Symptomatik bessern.
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Soweit nicht anders verordnet, sollte der
Bewohner Antazida 30 bis 60 Minuten nach der Mahlzeit einnehmen.
H2-Blocker werden einmal nach dem Abendessen verabreicht.
Protonenpumpenhemmer werden nüchtern oder 30 bis 60 Minuten vor der
Mahlzeit eingenommen.
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Wir prüfen, ob der Bewohner Medikamente
einnimmt, deren Nebenwirkungen die Refluxösophagitis befördern. Dieses
ist insbesondere bei Anticholinergika, bei Nitraten, bei
Kalziumantagonisten sowie bei Theophyllin zu befürchten.
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Wir achten darauf, dass grundsätzlich alle
Medikamente mit ausreichend Wasser eingenommen werden. Unterbleibt
dieses, bleiben viele Arzneimittel "auf halber Strecke" an der
Schleimhaut der Speiseröhre haften und reizen diese.
Nebenwirkungen
Wir stellen uns auf die häufigsten Nebenwirkungen ein.
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Protonenpumpenhemmer: Müdigkeit, Kopfschmerzen,
Schlafprobleme, Schwindel, Übelkeit sowie Hautausschlag und Juckreiz.
Seltener Durchfall, Darmwinde, Stuhlverstopfung und Oberbauchbeschwerden
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H2-Antagonisten: Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Kopfschmerzen und Kraftlosigkeit
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Prokinetika: Kopfschmerz, Übelkeit, Durchfall und Bauchschmerzen
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Antazida: Aufstoßen, Blähungen, Völlegefühl und Verstopfungen
Umstellung der Schlafgewohnheiten
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Der Bewohner soll sich nicht unmittelbar nach
einer Mahlzeit hinlegen. Wir animieren den Bewohner, sich im Rahmen
seiner körperlichen Fähigkeiten zu bewegen, also etwa spazieren zu
gehen.
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Der Bewohner soll nachts mit leicht erhöhtem
Oberkörper schlafen. Dafür wird das Kopfteil des Betts um mindestens 10
bis 15 cm aufgestellt. Für diese "Refluxbremse" wird also die
Schwerkraft genutzt.
weitere Maßnahmen
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Der Bewohner soll sich nicht bücken, sondern in
die Hocke gehen. Wenn der Oberkörper nach vorne kippt, fördert dieses
den Übertritt von Mageninhalt in die Speiseröhre.
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Die Maßnahmen im Rahmen der
Obstipationsprophylaxe werden intensiviert. Insbesondere sollte der
Bewohner faserreiche Kost erhalten. Ein gefüllter Darm sowie das
Pressen beim Stuhlgang führen zu einer Steigerung des abdominalen
Drucks.
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Chronischer Husten wird konsequent behandelt, da die Bauchpresse das Eindringen von Magensäure in die Speiseröhre fördert.
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Soweit möglich sollte der Bewohner Stress vermeiden. Wir vermitteln ihm ggf. Entspannungstechniken wie etwa autogenes Training.
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Der Bewohner sollte lockere Kleidung bevorzugen. Enge Gürtel, Korsetts u. Ä. sollten nicht genutzt werden.
Nachbereitung:
Prognose
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Bei leichten Verläufen klingt die Symptomatik ab, wenn der Bewohner sein Konsumverhalten anpasst.
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In den meisten Fällen führt die Einnahme von
Medikamenten ebenfalls zu einem schnellen Abklingen der Symptome.
Werden die Arzneimittel hingegen abgesetzt, kommt es schnell zu einem
Rezidiv.
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Wenn trotz einer Behandlung die Symptomatik über 14 Tage hinaus besteht, ist zumeist eine Gastroskopie erforderlich.
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Wenn weder die Änderung der Lebensgewohnheiten
noch eine medikamentöse Therapie eine Besserung der Symptomatik
bringen, ist häufig ein operativer Eingriff erforderlich; etwa eine
Verengung des Mageneingangs (Fundoplicatio nach Nissen).
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Eine bereits bestehende Stenose kann mittels einer Sonde aufgedehnt werden.
weitere Maßnahmen
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Wir stellen sicher, dass der Bewohner alle
Termine zur Krebsvorsorge wahrnimmt. Bis zur Ausheilung sind
Kontrollendoskopien notwendig. Nur so kann ein Ösophaguskarzinom
zeitnah erkannt werden.
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Alle relevanten Beobachtungen werden
dokumentiert. Dazu zählen insbesondere die Reaktionen auf die
medikamentösen und auf die nicht-medikamentösen Behandlungsmaßnahmen.
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Die Pflegeplanung bzw. die Maßnahmenplanung wird regelmäßig an den Gesundheitszustand des Bewohners angepasst.
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Der Zustand des Bewohners wird regelmäßig im Rahmen einer Teambesprechung thematisiert.
Dokumente:
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Trink- und Ernährungsprotokoll
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Ernährungsplan
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Vitaldatenblatt (Gewicht)
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Pflegeplanung
Verantwortlichkeit / Qualifikation:
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Pflegekräfte
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Hauswirtschaftskräfte
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