|
Diese Seiten wurden für Smartphones optimiert.
Für die PC-Version
klicken Sie bitte hier.
Standard "Wasserdampfbad"
Heißes Wasser in eine Schüssel, Mentholsalbe dazu - und
dann das Handtuch über den Kopf ziehen. Seit Kindheitstagen kurieren
Klienten auf diese Weise ihre Erkältungen aus. Die tiefe biografische
Verankerung erweist sich spätestens beim Einsetzen einer Demenz als
überaus hilfreich.
Standard "Wasserdampfbad"
Definition:
-
Die Wirkungstiefe einer Dampfinhalation ist
vergleichsweise gering. Die Wassertröpfchen, die bei einem Dampfbad
erzeugt werden, haben eine Größe von mehr als 30 Mikrometern. Damit
werden lediglich die Schleimhäute des Mund-Nasen-Rachen-Raums sowie der
Bereich des Kehlkopfes erreicht.
-
Um in den Bereich der Trachea, der Bronchien
oder gar der Alveolen zu gelangen, dürfen die Tröpfchen nicht größer
als 6 Mikrometer sein. Für deren Erzeugung wäre jedoch ein
Ultraschallvernebler erforderlich.
-
Ein Dampfbad ist eigentlich eine "veraltete"
Maßnahme. Moderne Dampfinhalationsgeräte sind nicht nur wirksamer,
sondern in der Anwendung auch risikoärmer. Dennoch hat das Dampfbad
mehrere Vorteile:
-
Die Maßnahme ist dem Klienten vertrauter. Er
weiß, dass diese Inhalationsmethode wirksam ist. Daher ist er bei der
Durchführung entspannter.
-
Viele Senioren lehnen technische Verdampfer
und Vernebler ab. Insbesondere bei einer fortschreitenden
Desorientierung kann die Kooperationsbereitschaft abnehmen.
-
Das Dampfbad ist ohne großen technischen
Aufwand möglich. Alle notwendigen Materialien sind im Haushalt zu
finden.
-
Der Aufwand zur hygienischen Aufbereitung ist
bei einem Dampfbad deutlich geringer als bei der Nutzung von
Verdampfern und Verneblern.
Grundsätze:
-
Ein Dampfbad ist zwar ein "Hausmittel", deshalb
aber nicht automatisch harmlos. Es gibt auch bei dieser Maßnahme
Risiken und Nebenwirkungen, auf die wir achten müssen.
-
Medikamentöse Wirkstoffe werden nur nach
vorheriger ärztlicher Anordnung verabreicht.
Ziele:
-
Die Schleimhaut der oberen Atemwege schwillt ab.
-
Festsitzender Schleim wird so weit verdünnt und
gelöst, dass er abgehustet werden kann.
Vorbereitung:
Indikation
-
Wir nutzen das Dampfbad bei Infekten im
Mund-Nasen-Rachen-Raum, also etwa bei Erkrankungen der Nasennebenhöhle,
bei Kehlkopfentzündungen oder bei hartnäckigem Schnupfen.
-
Bei Bronchitis, Asthma bronchiale und anderen
Lungenerkrankungen ist die Anwendung i. d. R. nicht sinnvoll.
Weitere Voraussetzungen:
-
Der Klient sollte so weit mobil sein, dass er
aus dem Bett an einen Tisch mobilisiert werden kann. Eine Anwendung im
Bett ist zu riskant.
-
Eine demenzielle Erkrankung darf nicht zu
fortgeschritten sein. Der Klient sollte so weit orientiert sein, dass
er den Sinn der Maßnahme versteht.
-
Zudem darf er nicht in Panik verfallen, wenn
ihm das Handtuch über den Kopf gezogen wird. (Hier hilft ggf. ein Trick
aus der Kinderkrankenpflege: Die Pflegekraft schlüpft für einige
Momente ebenfalls unter das Tuch und leistet dem Klienten Gesellschaft.)
Material
-
Die Nutzung einer möglichst großen Schüssel hat
mehrere Vorteile. Das Wasser läuft auch dann nicht aus, wenn der Klient
unbeabsichtigt gegen die Schüssel stößt. Zudem: Je größer die
Oberfläche des Wassers ist, um so mehr Wassertröpfchen und Wirkstoff
können austreten.
-
Wir erhitzen zwei Liter Wasser bis zum
Siedepunkt. Danach lassen wir das Wasser einige Minuten abkühlen. Ideal
ist eine Temperatur um 90°C.
(Hinweis: Für eine Dampfinhalation wird traditionell Leitungswasser
genommen. Alternativ ist auch die Nutzung physiologischer
Kochsalzlösung möglich. Diese stabilisiert die Funktionsfähigkeit der
Schleimhaut. Nicht sinnvoll ist zumeist die Verwendung von Aqua dest.)
-
Wenn der behandelnde Arzt keinen bestimmten
Wirkstoff verschrieben bzw. empfohlen hat, kann der Klient diesen ggf.
nach eigenen Wünschen auswählen. Häufig werden Salbeipräparate,
Kamillentee oder Mentholsalbe genutzt. Insbesondere bei demenziell
erkrankten Senioren ist es wichtig, einen vertrauten Zusatz zu wählen,
der entsprechend biografisch verankert ist. Ggf. befragen wir
diesbezüglich die Kinder oder den Lebenspartner des Klienten.
-
Asthmapatienten dürfen keine ätherischen Öle
nutzen.
-
Wir halten eine Küchenrolle,
Papiertaschentücher oder Zellstoff bereit. Zudem wird ein großes
Handtuch benötigt.
(Manche ambulant versorgte Senioren verfügen noch über einen
"Bronchitiskessel", also den Vorläufer des modernen Inhalators. Von der
Verwendung derartiger Museumsstücke ist abzuraten.)
allgemeine Maßnahmen
-
Nach einer Mahlzeit sollte ein Abstand von 30
Minuten bis zu einer Inhalation gelassen werden. Ansonsten steigt das
Risiko, dass dem Klienten bei der Maßnahme übel wird.
-
Der Klient wird über die anstehende Maßnahme
informiert.
-
Die Pflegekraft führt eine hygienische
Händedesinfektion durch.
-
Das Zimmer wird ggf. gelüftet und danach auf
eine angenehme Raumtemperatur beheizt. Fenster und Türen werden
geschlossen.
-
Ggf. wird dem Klienten ein Toilettengang
angeboten.
-
Der Klingelknopf wird in Reichweite des
Klienten abgelegt. Der Klient wird aufgefordert, bei Problemen die
Pflegekraft zu rufen.
-
Die Vitaldaten des Klienten werden (falls
notwendig) ermittelt.
Durchführung:
Inhalation

-
Der Klient wird an den Tisch mobilisiert. Er
muss sicher sitzen. Bei einem Sturz drohen ansonsten Verbrühungen durch
die ggf. mitgerissene Schüssel.
-
Er soll sich mit seinem Kopf über die Schüssel
mit Wasser beugen, die vor ihm auf dem Tisch steht.
-
Der Klient sollte einen Abstand von rund 20
Zentimetern bis zur Wasseroberfläche einhalten.
-
Der Klient sollte die Augen geschlossen halten.
Ansonsten kann es zu einer Reizung der Augenbindehaut kommen.
-
Die Pflegekraft breitet über den Schultern und
über dem Kopf des Klienten ein Handtuch aus.
-
Der Klient soll nun fünf bis zehn Minuten lang
die aufsteigenden Dämpfe einatmen. Er sollte durch den Mund atmen. Wenn
nach einigen Minuten das Wasser etwas abgekühlt ist, kann der Klient
auch durch die Nase atmen. Alternativ soll der Klient durch den Mund
einatmen und durch die Nase wieder ausatmen.
-
Eine Anwendungsdauer von 15 Minuten sollte
nicht überschritten werden.
-
Wir bitten den Klienten, langsam und tief
einzuatmen. Im Vergleich zu einer flachen Atmung steigert eine tiefe
Inspiration die Menge an Wirkstoff erheblich, die die Schleimhaut
erreicht.
-
Gleichzeitig achten wir darauf, dass der Klient
nicht zu schnell atmet. Dieses könnte Schwindelgefühle und Übelkeit
auslösen.
-
Während der Durchführung achten wir auf
Symptome einer Allergie oder einer Überreaktion.
-
Wenn weder Kreislaufprobleme abzusehen sind
noch eine demenzielle Erkrankung vorliegt, kann der Klient ggf. nun für
einige Minuten allein gelassen werden. Die Pflegekraft stellt einen
Küchenwecker, damit der Klient die Maßnahme eigenständig beenden kann.
Viele Klienten mögen es, während der Maßnahme Radio zu hören.
-
Demenziell erkrankte Senioren sollten permanent
überwacht werden, da sie sich sonst am heißen Wasser verbrühen könnten.
Abhusten von Sekret
Da viele Menschen
nicht wissen, wie sie richtig abhusten sollen, erklären wir dem
Klienten die richtige Hustentechnik:
-
Der Klient atmet durch die Nase ein.
-
Dann hustet er in kurzen, kräftigen Stößen.
-
Das gelöste Sekret wird ausgespuckt und nicht
geschluckt.
-
Die Hustenstöße werden erst dann wiederholt,
wenn sich die Atmung beruhigt hat.
-
Ggf. erleichtern wir die Sekretlösung durch
manuelle Maßnahmen wie etwa das Abklopfen des Thorax oder eine
Vibrationsmassage.
-
Falls der Sputumbecher entsorgt werden muss,
zieht die Pflegekraft dafür Einmalhandschuhe über.
(Hinweis: Wenn das Sekret nicht hinreichend aus den Atemwegen entfernt
wird, kommt es zu einem Sekretstau.)
Nachbereitung:
weitere Maßnahmen
-
Der Klient wird nach seinem Befinden und nach
der Wirkung der Inhalation gefragt.
-
Die Pflegekraft wäscht das Gesicht des
Klienten. Um die Hautgefäße wieder zu verengen, kann dafür kaltes
Wasser genutzt werden. Die Pflegekraft trocknet danach die Haut
vorsichtig ab.
-
Ggf. sollte die Gesichtshaut mit einer
Pflegecreme behandelt werden.
-
Falls notwendig wird eine Mund- und Nasenpflege
durchgeführt.
-
Der Klient wird bequem gelagert.
-
Dem Klienten wird ein Getränk angeboten.
-
In der folgenden halben Stunde sollte der
Klient vor Zugluft geschützt werden. Falls die Haare des Klienten
feucht geworden sind, werden diese getrocknet.
-
Der Klient sollte zudem seinem Kreislauf einige
Minuten Zeit geben, um die Anstrengung des Dampfbades zu kompensieren.
Seine Vitaldaten werden (falls notwendig) erneut ermittelt.
-
Die Klingel wird in Reichweite abgelegt.
-
Das Dampfbad sollte zwei- bis dreimal täglich
wiederholt werden.
-
Die Pflegekraft führt eine hygienische
Händedesinfektion durch.
-
Bei relevanten Krankheitssymptomen wird der
Hausarzt informiert.
-
Der Abfall wird entsorgt. Bei potenziell
kontaminiertem Müll gelten die entsprechenden Standards.
Dokumentation
Die Maßnahme wird
dokumentiert. Die wichtigsten Parameter sind:
-
Beginn der Maßnahme
-
Dauer der Maßnahme
-
verwendete Zusätze
-
Reaktionen und Zustand des Klienten
-
weitere relevante Beobachtungen
Dokumente:
-
Berichtsblatt
-
ggf. ärztliches Verordnungsblatt
-
Durchführungsnachweis
-
Pflegeplanung / Maßnahmenplanung
Verantwortlichkeit
/ Qualifikation:
-
alle Pflegekräfte
-
ggf. Pflegefachkräfte
|