|
Diese Seiten wurden für Smartphones optimiert.
Für die PC-Version
klicken Sie bitte hier.
Standardmaßnahmenplan "Schlafstörungen" (neues Strukturmodell / SIS)
Rund
1,2 Millionen Menschen in Deutschland sind abhängig von
Beruhigungsmitteln. Zwei Drittel davon sind Frauen über 65. Eine
fundierte Pflege von Betroffenen sollte über das Auffüllen des
Medikamentendispensers hinausgehen.
Standardmaßnahmenplan "Schlafstörungen"
-
Im Alter zählen Schlafstörungen zu den häufigsten Problemen. Rund jeder dritte Senior über 65 Jahre ist betroffen.
-
Gelegentliche Schlafstörungen treten bei vielen
Menschen auf und bedürfen keiner Behandlung, da sie nach kurzer Zeit
wieder verschwinden. Eine Schlafstörung liegt vor, wenn
-
die nächtliche Wachzeit 30 Minuten übersteigt,
-
wenn diese Wachzeit an mindestens drei Tagen pro Woche auftritt und
-
die Beschwerden mindestens vier Wochen anhalten.
-
Die individuellen Schlafgewohnheiten alter
Menschen können erheblich variieren. Der nächtliche Schlafbedarf kann
auf sechs Stunden sinken. Mit "Nickerchen" kann die gesamte Schlafdauer
aber auch leicht zehn bis zwölf Stunden betragen.
-
Wenn akute Schlafstörungen nicht behandelt
werden, können sich diese zu chronischen Schlafstörungen entwickeln.
Daher ist es wichtig, Schlafstörungen zu einem frühen Zeitpunkt zu
therapieren.
-
Da Senioren häufig weder körperlich noch geistig gefordert werden, ist deren Schlaftiefe zumeist vergleichsweise gering.
-
Der Umzug in ein Pflegeheim ist ein drastischer Einschnitt in das Leben. Dadurch werden häufig Schlafstörungen ausgelöst.
Maßnahmen
Begründung und Anmerkungen
Fallbeispiel:
-
Frau Meier ist 81 Jahre alt. Sie hat sich vor
eineinhalb Jahren bei einem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch
zugezogen. Trotz einer Implantation einer Endoprothese (TEP) hat sie
einen Großteil ihrer Mobilität eingebüßt.
-
Frau Meier war zeitlebens körperlich aktiv. Sie
ist jetzt nicht mehr in der Lage, durch Bewegung ihre Kräfte zu
verbrauchen und müde zu werden.
-
Frau Meier klagt im Bereich der Hüfte über eine starke chronische Schmerzbelastung, die sie keinen Schlaf finden lässt.
-
Wir ermuntern Frau Meier, an unseren Freizeitaktivitäten teilzunehmen, etwa an der Sitztanzgruppe.
-
Wir bieten Frau Meier Bettgymnastik an.
-
Soweit möglich verlegen wir anstrengende
Therapiemaßnahmen vom Vormittag auf den Nachmittag, also insbesondere
die Bewegungsübungen im Rahmen der Kontrakturenprophylaxe.
-
Frau Meiers Schmerzen lassen nach, wenn eine
Wärmflasche aufgelegt wird. Auch eine zusätzliche Unterlagerung des
betroffenen Beins in der Seitenlage lindert die Beschwerden.
-
Es ist wichtig zu prüfen, welche Möglichkeiten
für die Bewohnerin bleiben, um sich körperlich zu bewegen. Die
Bewohnerin kann sich z. B. mit dem Rollstuhl außerhalb der Einrichtung
bewegen.
-
Die vom Arzt vorgegebene medikamentöse Schmerztherapie wird präzise umgesetzt.
Fallbeispiel:
-
Herr Müller leidet an dem sog.
"Restless-Legs-Syndrom". Dieses äußert sich in der Nacht durch
Schmerzen, durch ein Kribbeln und durch ein Brennen der Beine. Es
bessert sich erst durch das Bewegen der Beine.
-
Herr Müller klagt zudem über eine unangenehme Schlafposition.
-
Wir ermahnen Herrn Müller dazu, auf Nikotin und auf Alkohol zu verzichten.
-
Wir helfen Herrn Müller bei der Einnahme einer
angenehmen Schlafposition. Er akzeptiert die Rückenlage, die Seitenlage
und die 135°-Lagerung. Die Bauchlage lehnt er ab.
-
Herr Müller erhält auf Wunsch weitere Lagerungshilfsmittel, etwa ein zweites Kissen oder ein sog. "Seitenschläferkissen".
-
Wir überprüfen die Medikation auf die Nebenwirkung Schmerz hin, etwa Antidepressiva.
-
Wir regen beim Hausarzt an, dass der Bewohner ein Eisenpräparat einnimmt.
-
Wir prüfen, ob der Bewohner das Kopfkissen als zu hart oder zu weich empfindet.
-
Wir prüfen, ob der Bewohner eine andere Härte
der Matratze bevorzugt. Belange der Dekubitusprophylaxe werden dabei
berücksichtigt.
Fallbeispiel:
-
Frau Meier lebt seit drei Jahren im Pflegeheim.
Sie hat großes Vertrauen in die Wirkung von Medikamenten und lehnt
nichtmedikamentöse Therapieansätze tendenziell ab. Seit dem Tod ihres
Mannes leidet sie an Unruhezuständen und an Schlaflosigkeit.
-
Versuche, sie an Entspannungstechniken wie
autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson
heranzuführen, scheitern an ihrer mangelnden Kooperation. Frau Meier
ist davon überzeugt, dass ihr nur "richtige" Schlafmittel helfen
werden. Sie soll daher ein möglichst schonendes Schlafmittel erhalten.
Eine Übermedikamentierung soll vermieden werden.
-
Frau Meier hält zudem nach dem Mittagessen Mittagsschlaf. Sie ist daher am Abend nicht müde genug, um einzuschlafen.
-
Frau Meier erhält auf Anraten ihres Arztes
Baldrianextrakt mit Melissenextrakt. Hier ist i. d. R. schon eine sehr
geringe Dosierung ausreichend, damit Frau Meier gut schläft.
-
Wir informieren Frau Meier über die Risiken und
Nebenwirkungen, die beim Einsatz hochwirksamer Schlafmittel auftreten,
insbesondere bei der Einnahme von Benzodiazepinen.
-
Wir legen Frau Meier nahe, auf den Mittagsschlaf zu verzichten oder diesen zumindest deutlich einzuschränken.
-
Frau Meier wird nach dem Mittagessen sinnvoll
beschäftigt, damit sie nicht aus Langeweile Mittagsschlaf hält. Sie
liest in ihren Gedichtbänden und malt gerne mit Aquarellfarben.
-
Am Vormittag und am Nachmittag sollte sich Frau
Meier körperlich betätigen, damit sie abends ausreichend ermüdet ist.
Mit etwas Überzeugungsarbeit können wir sie dazu bewegen, gemeinsam mit
Frau Schmidt einen Spaziergang durch den Schlosspark zu unternehmen.
-
Frau Meier sollte sich nur zum Schlafen ins
Bett legen, also nicht zum Lesen, zum Fernsehen oder zum Radiohören.
Wir mobilisieren sie stattdessen in ihren Sessel, da sie dort nicht
einschläft.
-
Am Abend sollte sich Frau Meier mit angenehmen
Tätigkeiten beschäftigen. Belastende und unangenehme Aufgaben sollte
sie am Vormittag erledigen.
-
In vielen Fällen ist nicht der
Medikamentenwirkstoff ursächlich für die Schlafförderung, sondern das
bloße Vertrauen des Patienten in das Arzneimittel.
-
Wir prüfen, ob die Bewohnerin alternativmedizinische Behandlungsmethoden akzeptiert. Sie erhält dann ggf. Homöopathika.
Fallbeispiel:
-
Herr Müller war vor zwei Jahren das Opfer eines
nächtlichen Einbruchdiebstahls. Er leidet seitdem unter Angstzuständen,
die seine Nachtruhe erheblich beeinträchtigen.
-
Trotz aller Risiken hat der Arzt Benzodiazepine
gegen die Schlafstörungen verordnet. Die renale Ausscheidung (über die
Niere) sowie die hepatische Ausscheidung (über die Leber) sind bei
Herrn Müller beeinträchtigt. Es kann zu einer Akkumulation des
Medikaments kommen, also zu einem stetigen Ansteigen des
Wirkstoffspiegels über das gewünschte Niveau hinaus. Herr Müller trinkt
Alkohol und nimmt gleichzeitig Benzodiazepine ein.
-
Herr Müller konsumiert koffeinhaltige Getränke. Durch diesen Wirkstoff kann er am Abend nicht einschlafen.
-
Wir beachten, dass die stark muskelentspannende
Wirkung die Gefahr von Stürzen erheblich steigert. Wir bitten Herrn
Müller, nach einer Pflegekraft zu klingeln, damit diese ihn bei
Transfers unterstützt.
-
Der Zustand von Herrn Müller wird genau
beobachtet. Wir achten auf Aufmerksamkeitsstörungen, auf Bewegungs- und
auf Koordinationsschwierigkeiten. Wir informieren den Arzt, wenn wir
eine Akkumulation des Wirkstoffs befürchten.
-
Wir raten Herrn Müller, den Koffeinkonsum
deutlich zu reduzieren. Insbesondere drei bis vier Stunden vor dem
Schlafengehen sollte er koffeinhaltige Getränke meiden.
-
Nach zwei - spätestens nach acht Wochen -
sollten Benzodiazepine abgesetzt werden. Ggf. werden wir bei dem
verschreibenden Arzt vorstellig und bitten um eine Überprüfung.
-
Wir informieren den Arzt über einen etwaigen Alkoholkonsum.
-
Wir berücksichtigen, dass Koffein auch in Tee,
Cola, Mate, Guaraná sowie in Energydrinks vorhanden ist. Auch in vielen
Schmerzmitteln mit Acetylsalicylsäure oder Paracetamol ist Koffein
enthalten.
-
Wir beachten, dass der Effekt von Koffein
individuell sehr schwanken kann und es ggf. sogar zu einer paradoxen
Wirkung kommt. Bei einigen Senioren wirkt ein starker Kaffee also
Schlaf fördernd. Dieses betrifft etwa Senioren mit
Durchblutungsstörungen im Hirn.
Fallbeispiel:
-
Frau Meier leidet unter Krankheiten aus dem
rheumatischen Formenkreis. Sie nimmt deswegen Medikamente ein, deren
Nebenwirkungen offenbar für die Schlafstörungen mitverantwortlich sind.
-
Frau Meier hat sich vor sechs Monaten eine
Fraktur des Ellenbogengelenks zugezogen, die mittlerweile abgeheilt
ist. Aus diesem Grund wurde auch das starke Schmerzmittel abgesetzt.
Der offensichtlich aufgetretene Entzug verursacht Schlafstörungen.
-
Ein "Absacker" als Abendritual ist Frau Meier
sehr wichtig. Aufgrund körperlicher Einschränkungen kann sich Frau
Meier weder ein Glas einschenken noch dieses trinken.
-
Medikamente gegen die Rheumaerkrankung erhält Frau Meier (soweit möglich) am Morgen. Das reduziert die Nebenwirkungen am Abend.
-
Soweit es sich lediglich um einen kleinen
Schlummertrunk handelt und keine Wechselwirkungen auftreten, ist die
Pflegekraft Frau Meier beim Einschenken und beim Trinken behilflich.
-
Gemeinsam mit dem Hausarzt prüfen wir die Verabreichung alternativer Substanzen.
-
Wir raten der Bewohnerin dringend davon ab, ein Medikament eigenmächtig abzusetzen.
-
Wir raten der Bewohnerin, Genussmittel wie
Kaffee, Alkohol oder Cola am Abend zu vermeiden. Nur in kleinen Mengen
können diese Stoffe Schlaf fördernd wirken.
-
Verschiedene Medikamente sollten nicht abrupt
abgesetzt werden. Stattdessen sollte die Dosis im Verlauf mehrerer
Wochen schrittweise reduziert werden.
Fallbeispiel:
-
Herr Müller ist stark übergewichtig und
schnarcht sehr laut. Er ist tagsüber sehr müde und erschöpft. Häufig
schläft er auch ein.
-
Herr Müller leidet unter Schlafapnoe.
-
Herr Müller bekommt nachts Hunger und kann deswegen nicht schlafen. Er klagt über nächtliche Mundtrockenheit und über Durst.
-
Der Schlaf von Herrn Müller wird durch dessen
Ernährungsgewohnheiten gestört. Er konsumiert am Abend Zitrusfrüchte,
fetthaltige Gerichte sowie zuckerreiche Speisen.
-
Herrn Müller knirscht nachts mit den Zähnen. Es kommt zu Zahnschäden.
-
Die Nachtwache kontrolliert bei Herrn Müller in der Nacht die Atmung und die Vitalwerte.
-
Wir erläutern Herrn Müller, dass er keine Schlafmittel nehmen sollte, da diese die Atemfunktionen zusätzlich schwächen können.
-
Am Nachttisch halten wir einen kleinen Imbiss
bereit, also etwa einen Joghurt, Zwieback oder geschnittenes Obst. Die
Pflegekraft achtet darauf, dass Herr Müller nur kleine Mengen Nahrung
zu sich nimmt. Er kann sonst mit zu vollem Magen nicht mehr einschlafen.
-
Nahrungsmittel, die den Schlaf stören, sollte
Herr Müller meiden. Er sollte abends insbesondere keine scharfen
Speisen zu sich nehmen, da diese den Säuregehalt des Magensaftes
erhöhen.
-
Wir helfen Herrn Müller beim Einsetzen der Aufbissschiene (sog. "Knirscherschiene").
-
Wir regen eine fachärztliche Untersuchung an,
um ggf. ein Schlafapnoesyndrom oder auch eine Herzinsuffizienz
feststellen zu lassen.
-
Wir raten dem Bewohner dazu, auf Alkohol und auf Nikotin zu verzichten.
-
Wir prüfen, ob der Bewohner Nasentropfen einnehmen soll, um eine verstopfte Nase zu lindern.
-
Wir versorgen den Bewohner vor dem Schlafengehen mit einer Atemmaske, sofern diese ärztlich verordnet wurde.
-
Wir prüfen, ob der Bewohner das Abendessen zu einem späteren Zeitpunkt einnehmen sollte.
-
Wenn das nächtliche Zähneknirschen durch Stress
ausgelöst wird, vermitteln wir dem Bewohner Entspannungstechniken wie
etwa autogenes Training, Gedankenreisen oder Meditation.
Fallbeispiel:
-
Frau Meier leidet schon seit Jahren unter
Schlafstörungen. Diese hat sie vor dem Umzug in unsere Einrichtung
durch Hausmittel behandelt. Sie mag warme Milch mit Honig sowie Schlaf
fördernden Tee. Sie kann aufgrund von Koordinationsproblemen aber weder
die Milch noch das Wasser eigenständig erwärmen. Sie braucht auch
Hilfe, um den Honig bzw. den Teebeutel zuzugeben.
-
Frau Meier hat falsche Vorstellungen und
Erwartungen an den eigenen Schlaf. Ihr ist das sinkende Schlafbedürfnis
im Alter nicht bewusst.
-
Sie legt sich abends früher als nötig ins Bett und wacht morgens entsprechend frühzeitig auf.
-
Nächtliche Wachphasen werden als unverhältnismäßig lang erlebt. Sie glaubt oft, gar nicht geschlafen zu haben.
-
Frau Meier nimmt Kurzschlafphasen am Tag nicht wahr. Sie schläft häufig für kurze Zeit auf ihrem Sofa ein.
-
Wir helfen Frau Meier dabei, die Hausmittel weiterhin zu nutzen.
-
Wir stellen sicher, dass sich Frau Meier Zeit für das Milch- bzw. Teetrinken nimmt und dabei zur Ruhe kommt.
-
Frau Meier sollte erst dann ins Bett gehen, wenn sie die Müdigkeit spürt. Ein Zeitpunkt vor 22 Uhr ist zumeist unvorteilhaft.
-
Wir haben mit Frau Meier besprochen, dass sie am Morgen um sechs Uhr geweckt wird.
-
Die Bewohnerin erhält Schlaf fördernde Lebensmittel in angemessenen Mengen wie etwa Milch mit Honig oder ein Stück Schokolade.
-
Die Bewohnerin sollte Tees wählen, deren Schlaf
fördernde Wirkung bekannt ist, etwa Baldrianwurzel, Hopfenzapfen,
Melissenblätter, Orangenblüten und Weißdornblüten. Wir helfen bei der
Zubereitung (Hinweis: Tee aus dem Supermarkt ist häufig von geringerer
Qualität als Produkte aus der Apotheke oder aus dem Fachgeschäft.)
-
Wir besprechen mit der Bewohnerin deren
Erwartungen an den eigenen Schlaf. Im Dialog versuchen wir, ihr ein
realistisches Bild über das veränderte Schlafbedürfnis im Alter zu
vermitteln.
-
Wir bitten die Bewohnerin, ein Schlaftagebuch zu führen.
Fallbeispiel:
-
Herr Müller wurde vor 20 Jahren geschieden und
lebte seitdem allein, bevor er in das Pflegeheim umzog. Im Laufe der
Zeit hat er verschiedene Einschlafrituale entwickelt. Er nutzt sie
jetzt aber nicht mehr, weil sie ihm peinlich sind. Zudem will er die
Pflegekräfte nicht beanspruchen.
-
Herr Müller hört vor dem Einschlafen gerne
Hörspiele. Er hat zahlreiche alte Audiokassetten, kann diese aber nicht
ohne Hilfe aus dem Regal holen und in den Walkman einlegen. Zudem mag
er es, wenn ein Stoffbär in seinem Bett liegt. Dieser ist ein
Mitbringsel seines Sohnes.
-
Herr Müller hat eine negative
Erwartungshaltung. Er glaubt, dass alle Maßnahmen zur Schlafförderung
ihm nicht helfen werden. Er wacht nachts auf und ärgert sich über die
unfreiwillige Wachphase. Das Ärgern verhindert das Wiedereinschlafen.
-
Wir verdeutlichen Herrn Müller, dass er in der Einrichtung auch solche Rituale fortführen kann, die ihm etwas peinlich sind.
-
Wir sorgen dafür, dass die Mitbewohner von den
Einschlafritualen nichts erfahren. Der Stoffbär liegt nur in der Nacht
im Bett. Am Tag wird er auf den Schreibtisch gestellt. Die Kassetten
werden im Schrank verstaut.
-
Wir erklären Herrn Müller den Teufelskreis des gestörten Schlafs und der Angst vor dem Nicht-Schlafen-Können.
-
Wir raten Herrn Müller dazu, etwaige
Schlafunterbrechungen zu akzeptieren. Insbesondere nach
Stresssituationen sind Schlafstörungen normal und Teil der
Problembewältigung.
-
Im Rahmen des Erstgesprächs und in der
Eingewöhnungszeit werden die vertrauten Rituale erfragt. So weit
möglich werden diese Rituale in den Tagesablauf integriert. Etwa:
abendlicher Spaziergang, ablegen der Kleidung auf einen Stuhl, lesen
mit eigener Beleuchtung im Bett, Kopfkissen aufschütteln, Wecker
stellen usw.
-
Wir fragen den Bewohner, ob er ein "Morgentyp"
oder ein "Abendtyp" ist. Im Rahmen der Möglichkeiten passen wir die
Arbeitsorganisation so weit an, dass der Bewohner sein Frühstück zu
einem früheren Zeitpunkt einnehmen kann.
-
Wir suchen den Dialog mit dem Bewohner. Wir prüfen, welche Sorgen den Bewohner belasten.
-
Auf Wunsch stellen wir den Kontakt zum seelsorgerischen Dienst seiner Gemeinde her.
-
Wir prüfen, ob der Bewohner psychologische Beratung benötigt.
Fallbeispiel:
-
Frau Meier war als junge Frau Opfer sexueller
Gewalt. Sie leidet noch immer unter Angstzuständen. Vor allem in der
Nacht erleidet sie Panikattacken, die sie nicht wieder einschlafen
lassen.
-
Frau Meier nutzt Maßnahmen aus dem Bereich der
alternativen Medizin, um Schlaf zu finden. Sie hat eine große Sammlung
an Heilsteinen. Sie nutzt zudem homöopathische Schlafmittel.
-
Wir stehen Frau Meier jederzeit für ein
Gespräch zur Verfügung. Sie offenbart sich oft am Abend bei der
Vorbereitung für die Nachtruhe.
-
Wir führen mit Frau Meier eine beruhigende Teilwaschung durch. Alternativ erhält sie eine Atem stimulierende Einreibung.
-
Wir vermitteln den Kontakt zum seelsorgerischen Dienst ihrer Kirchengemeinde. Frau Meier hat großes Vertrauen zu Pastor Schulze.
-
Wir helfen Frau Meier beim Auflegen der
Heilsteine. Wir unterlassen jede wertende Aussage zur Wirksamkeit
derartiger Maßnahmen. Insbesondere bei psychisch bedingten
Schlafstörungen haben solche Lösungsstrategien oft Erfolg.
-
Wir raten Frau Meier dazu, nicht krampfhaft
wieder einschlafen zu wollen. Wir sorgen dafür, dass sie die
Nachttischlampe leicht erreichen kann; dieses etwa, um ein Buch zu
lesen.
-
Wir animieren Frau Meier, unser Nachtcafé zu
nutzen. In diesem können sich schlaflose Bewohner mit Mitbewohnern
treffen und sich gemeinsam die Zeit vertreiben, etwa beim Kartenspielen.
-
Gemeinsam mit dem behandelnden Arzt prüfen wir die Notwendigkeit einer psychologischen Behandlung.
-
Sofern alle nichtmedikamentösen Optionen erfolglos bleiben, erhält die Bewohnerin Angst lösende Arzneimittel.
-
Die Bewohnerin kann auch fernsehen oder Musik hören. Damit sie Mitbewohner dabei nicht stört, sollte sie Kopfhörer tragen.
-
Vielen Senioren helfen Geduldsspiele bei der Ablenkung.
Fallbeispiel:
-
Herr Müller hat durch einen Autounfall beide
Beine verloren. Er ist immobil und verbringt seinen Tag liegend im
Bett. Sein Tagesablauf ist unstrukturiert und gleichförmig.
-
Durch die Lage seines Zimmers fällt wenig
Tageslicht durch das Fenster. Da er kaum Kontakt zur Außenwelt hat,
kann er die Taktgeber "Helligkeit = Tag" und "Dunkelheit = Nacht" nicht
nutzen, um sich zeitlich zu orientieren.
-
Herr Müller sieht abends gerne fern. Er
bevorzugt sehr spannende Filme, die ihn danach aber noch lange
beschäftigen. Er kann dadurch nicht einschlafen.
-
Bei jedem Besuch im Zimmer teilt die Pflegekraft Herrn Müller die (grobe) Tageszeit mit.
-
So weit irgend möglich wird Herr Müller in
einen Rollstuhl mobilisiert. Er sollte in den Garten der Einrichtung
oder zumindest vor ein großes Fenster im Gemeinschaftsbereich gefahren
werden.
-
Die Zimmerbeleuchtung wird an die Tageszeit
angepasst. Morgens und abends ist sie gedämpft und am Mittag sehr hell.
In der Nacht wird das Zimmer von Herrn Müller weitgehend abgedunkelt.
-
Am Abend sollte er entspannende Filmgenres wählen, etwa Komödien oder Dokumentationen.
-
Wir sorgen für eine gleichmäßige Tagesstruktur
des Bewohners. Wir nehmen insbesondere Rücksicht auf tageszeitlich
bedingte Schwankungen der mentalen und körperlichen Belastbarkeit.
-
Soweit möglich, sollte der Bewohner trotz der Bettlägerigkeit vertraute tagesstrukturierende Rituale weiterhin pflegen.
-
Wir raten (einem technisch versierten)
Bewohner, spannende Filme lieber zeitversetzt am Nachmittag zu sehen;
also etwa per Videorekorder, per DVD-Rekorder oder per Mediathek.
Fallbeispiel:
-
Frau Meier ist querschnittgelähmt. Ihre Beine sind von Ödemen betroffen. Sie erhält Diuretika.
-
Sie hat morgens Harndrang, ist aber nicht in
der Lage, eigenständig eine Toilette aufzusuchen. Sie bleibt aus Angst
vor Inkontinenz wach, möchte aber die Pflegekraft nicht rufen.
-
Frau Meier schwitzt stark. Dieses stört sie in ihrer Nachtruhe.
-
Wir bieten Frau Meier vor dem Zubettgehen noch einen Toilettengang an.
-
Diuretika werden spätestens vier Stunden vor dem Zubettgehen verabreicht.
-
Wir stellen sicher, dass Frau Meier die Rufanlage bedienen kann. Wir animieren sie, bei Harndrang eine Pflegekraft zu rufen.
-
Wir stellen ggf. eine Urinflasche bereit.
-
Wir stellen sicher, dass die Nachtkleidung
passend zur Jahreszeit gewählt wird. Frau Meier sollte also im Sommer
einen kurzärmligen Schlafanzug tragen.
-
Frau Meier sollte einen Baumwollpyjama tragen. Dieses Material kann große Mengen an Schweiß aufnehmen.
-
Wir bitten Frau Meier, nach einer Pflegekraft
zu klingeln, damit der vom Schwitzen durchfeuchtete Schlafanzug
gewechselt werden kann.
-
Bei Männern sollte eine Prostataerkrankung behandelt werden.
-
Sofern keine Austrocknung droht, sollte abends die Trinkmenge reduziert werden.
-
Sofern es im finanziellen Spielraum der Bewohnerin liegt, kann sie Bettwäsche aus Seide nutzen.
-
Wir stellen sicher, dass die Bettdecke der
Jahreszeit angepasst ist. Insbesondere im Sommer sollte die Bewohnerin
eine leichte Decke wählen.
Fallbeispiel:
-
Herr Müller hat einen Schlaganfall erlitten und
ist immobil. Es liegt eine erhebliche Dekubitusgefährdung vor. Er muss
routinemäßig in der Nacht umgelagert werden.
-
Herr Müller ist in seinem Zimmer Geräuschen
ausgesetzt, die wir nicht oder nur teilweise abstellen können. Dazu
zählt insbesondere die Wechseldruckmatratze. Der Bewohner wacht nachts
auf, da er durch diese Geräuschquellen gestört wird.
-
Herr Müller trägt einen Dauerkatheter. Dieser ist bei vielen Lagerungen unbequem.
-
Wir bieten Herrn Müller Lärmschutzdämpfer an (z. B. Oropax©).
-
Die Kontrollbesuche werden auf ein Minimum
reduziert. Die Pflegekraft nutzt dabei eine Taschenlampe und stellt
nicht das Hauptlicht an.
-
Vor allem in den ersten drei Schlafstunden
sollte Herr Müller möglichst nicht geweckt werden. Etwaige nächtliche
Pflegemaßnahmen werden so gebündelt, dass in der Summe möglichst wenig
Störungen notwendig sind.
-
Gemeinsam mit dem Bewohner prüfen wir, ob sich
die Bequemlichkeit durch veränderte Lagerungen erhöhen lässt. Herr
Müller bevorzugt ein großes Seitenlagerungskissen.
-
Wir hinterfragen kritisch, ob ein engmaschiges
nächtliches Umlagern im Rahmen der Dekubitusprophylaxe notwendig ist.
Oftmals erlaubt der Gefährdungsgrad des Bewohners längere Intervalle.
Wir nutzen stattdessen Mikrolagerungen.
Fallbeispiel:
-
Frau Meier leidet unter Morbus Alzheimer. Die Demenz schritt in den letzten Monaten stark voran.
-
Insbesondere am späten Nachmittag und am Abend
zeigt sie Unruhezustände, die ein geregeltes Einschlafen verhindern.
Physikalische Anwendungen zeigen bei ihr jedoch einen Schlaf fördernden
Effekt.
-
Frau Meier ist sehr ängstlich. Insbesondere hat sie Furcht vor der Dunkelheit.
-
Wir führen mit Frau Meier eine beruhigende Teil- oder Ganzkörperwaschung durch.
-
Frau Meier erhält ein Fußbad oder eine Fußmassage.
-
Wir führen eine atemstimulierende Einreibung durch.
-
Wir nutzen feucht-heiße Bauchkompressen, kalte Armbäder oder waschen die Beine kalt ab.
-
Das Dämmerlicht muss in der Nacht eingeschaltet sein. Die Vorhänge bleiben nachts geöffnet.
-
Die Nachtwache stellt sich jeden Abend bei Frau Meier vor. Sie bittet Frau Meier, die Rufanlage zu nutzen, wenn sie Angst hat.
-
Ggf. wird das ohnehin geplante Vollbad in die Nachmittagsstunden verschoben, spätestens zwei Stunden vor dem Zubettgehen.
-
Wir stellen das Bett so, dass die Bewohnerin auch vom Bett aus die Tür zum Flur sehen kann.
-
Wir verwenden Duftlampen und wählen ein
geeignetes Öl aus. Wir nutzen römische Kamille, Lavendel, Neroli, Rose,
Sandelholz, Majoran, Ylang-Ylang, Benzoe, Jasmin, Narzisse und
Palmarosa.
-
Wir nutzen eine elektrische Duftlampe, wenn die Gefahr besteht, dass die Bewohnerin mit der Kerzenflamme hantieren könnte.
-
Wir prüfen, ob die Bewohnerin durch Musik
beruhigt werden kann. Bei der Auswahl der Titel greifen wir auf
Informationen zurück, die wir im Rahmen der Biografiearbeit erhoben
haben.
Fallbeispiel:
-
Herr Müller lebte gemeinsam mit der Ehefrau
bislang im Haushalt seiner Tochter. Die Ehefrau ist vor vier Monaten
gestorben. Die Tochter ist mit der Pflege ihres Vaters überfordert. Im
Pflegeheim fühlt sich Herr Müller noch nicht heimisch.
-
Herr Müller kann nicht einschlafen. Ursache
dafür sind Konflikte, etwa mit seiner Tochter, die er für den Umzug ins
Pflegeheim verantwortlich macht.
-
Herr Müller klagt darüber, dass das Schlafzimmer zu hell ist.
-
Wir versuchen, Herrn Müller sinnvoll zu
beschäftigen und auf andere Gedanken zu bringen, wenn er nachts nicht
einschlafen kann. Dazu kann es sinnvoll sein, dass Herr Müller das Bett
verlässt und z. B. etwas liest, Musik hört oder den Fernseher anstellt
(ggf. mit Kopfhörern).
-
Wir animieren Herrn Müller dazu, Kontakte zu Angehörigen und zu Freunden wiederzubeleben.
-
Wir laden Herrn Müller zu sozialen
Veranstaltungen innerhalb unserer Einrichtung ein. Herr Müller nimmt
gerne an der Zeitungsgruppe sowie an der Musikgruppe teil.
-
Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir,
schlichtend einzugreifen und die Konflikte zu entschärfen. Wenn die
Tochter zu Besuch kommt, bleiben wir in Hörweite, um bei einem Streit
eine Eskalation zu verhindern.
-
Die Vorhänge werden in der Nacht geschlossen. Wir bieten Herrn Müller eine Schlafbrille an.
-
Die Pflegekraft schafft eine möglichst
wohnliche Umgebung. Der Raum wird vor dem Schlafengehen aufgeräumt.
Stark duftende Blumen werden für die Nacht aus dem Zimmer entfernt. Das
Zimmer wird belüftet.
-
Wir stellen das Bett nach den Wünschen des
Bewohners ein. Die Position des Betts innerhalb des Zimmers kann der
Bewohner nach Möglichkeit selbst bestimmen.
-
Wir statten das Pflegebett mit vertrauten
Utensilien aus, also etwa mit der gewohnten Bettwäsche, mit einem
kleinen Kissen oder (insbesondere bei demenziell erkrankten Senioren)
mit einem Kuscheltier, mit einer Wärmflasche usw.
-
Falls der Bewohner Angst vor einem Herausfallen
aus dem Bett hat, stellen wir das Bettgitter hoch. Der Bewohner muss
den Wunsch gegenzeichnen.
-
Die Raumtemperatur wird angepasst;
üblicherweise auf 18°C. Je nach individuellen Gewohnheiten kann dieser
Wert aber auch höher oder tiefer gewählt werden.
-
Ggf. bleibt auch in der Nacht das Fenster geöffnet.
|