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Version 1.06b

Standard "Pflege bei Blasenverweilkatheter"

 
Das korrekte Legen eines Katheters ist schwierig genug. Noch kniffliger ist es, das Harnableitungssystem über Tage hinweg keimfrei zu halten. Der Spielraum für Hygienemängel ist denkbar gering. Schon kleinste Verkeimungen führen zu einer Blaseninfektion.
 

Wichtige Hinweise:

  • Zweck unseres Musters ist es nicht, unverändert in das QM-Handbuch kopiert zu werden. Dieser Pflegestandard muss in einem Qualitätszirkel diskutiert und an die Gegebenheiten vor Ort anpasst werden.
  • Unverzichtbar ist immer auch eine inhaltliche Beteiligung der jeweiligen Haus- und Fachärzte, da einzelne Maßnahmen vom Arzt angeordnet werden müssen. Außerdem sind etwa einige Maßnahmen bei bestimmten Krankheitsbildern kontraindiziert.
  • Dieser Standard eignet sich für die ambulante und stationäre Pflege. Einzelne Begriffe müssen jedoch ggf. ausgewechselt werden, etwa "Bewohner" gegen "Patient".

 

Dieses Dokument ist auch als Word-Dokument (doc-Format) verfügbar. Klicken Sie hier!

 
Standard "Pflege bei Blasenverweilkatheter"
Definition:
  • Die Nutzung eines Blasenverweilkatheters ermöglicht den sicheren Urinabfluss bei Senioren, die auf regulärem Weg kein Wasser lassen können. Gleichzeitig jedoch stellt die Nutzung solcher Systeme hohe Ansprüche an die Hygiene.
  • Keime können einerseits bereits bei der Katheterisierung in die Blase eingebracht werden. Sie können aber auch bei einem bereits liegenden Katheter entlang der Harnröhrenwand einwandern. Und oftmals werden Sie vom Katheter selbst in die Blase gespült, wenn der Urin aus dem Urinbeutel in die Blase zurückfließt. In der Folge erleidet der Bewohner eine Zystitis, also eine Entzündung der Harnblase und der Harnleiter.
Grundsätze:
  • Eine lückenlose Hygiene ist der entscheidende Faktor bei der Zystitisprophylaxe. Lückenlos bedeutet: Schon eine einzige Nachlässigkeit kann eine ansonsten gut funktionierende Hygiene aushebeln.
  • Der Schutz vor einer Blaseninfektion ist wichtiger als die Aktivierung des Bewohners zu einer eigenständigen Intimhygiene. Da die meisten Senioren mit den hohen Hygieneanforderungen überfordert sind, nehmen wir Ihnen diese Maßnahme ggf. frühzeitig ab.
Ziele:
  • Durch konsequente Umsetzung hygienischer Standards wird eine Verschleppung pathogener Keime von der Harnröhrenmündung in die Blase und somit eine Infektion der Blase und der Niere verhindert.
  • Infektionen werden frühzeitig erkannt und zeitnah behandelt.
  • Der Bewohner ist über die Wichtigkeit der Intimhygiene informiert. Im Rahmen seiner Fähigkeiten beteiligt er sich an den notwendigen Maßnahmen.
  • Ein freier Harnabfluss wird gewährleistet.
Vorbereitung: Beobachtung
  • Der Zustand des Bewohners wird engmaschig überwacht, um eine sich entwickelnde Infektion zeitnah zu entdecken und bereits im Frühstadium zu therapieren. Wir achten auf relevante Anzeichen, etwa:
    • Der Bewohner klagt über Schmerzen im Unterbauch.
    • Die Körpertemperatur ist erhöht.
    • Der Urin ist verändert, insbesondere weicht er im Geruch, in der Farbe oder in der Menge vom Üblichen ab.
  • Der Bewohner wird über die Bedeutung einer frühzeitigen Krankheitserkennung informiert und für die Symptome sensibilisiert.
Beratung des Bewohners und seiner Angehörigen
  • Wir suchen den Kontakt zu den Herstellern der Ableitungssysteme. Oftmals bieten diese Informationsmaterial an, mit dem Bewohner und Angehörige in die Handhabung eingewiesen werden können.
  • Wir erklären dem Bewohner, dass er jede Manipulation am Katheter unterlassen muss. Wenn es dennoch zu einer ungewollten Manipulation gekommen ist, sollte sich der Bewohner bei der Pflegekraft melden, damit sie den potentiell kontaminierten Bereich desinfiziert.
  • Wenn der Bewohner mobil ist und das Bett verlassen kann, wird er in die richtige Handhabung des Urinbeutels eingewiesen.
  • Sofern keine entsprechende Kontraindikation vorliegt, sollte der Bewohner viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Er sollte mindestens eineinhalb bis zwei Liter Flüssigkeit pro Tag ausscheiden. Damit werden Ablagerungen am Katheter und die Infektionsgefahr reduziert.

weitere Maßnahmen
  • In der Vergangenheit war es üblich, das System im Rahmen des Blasentrainings abzuklemmen. Da diese Maßnahme wirkungslos ist und sogar das Verletzungs- und Infektionsrisiko steigert, wird diese nicht mehr durchgeführt.
  • Routinemäßige Blasenspülungen steigern das Infektionsrisiko. Sofern es keine zwingende urologische Indikation dafür gibt, unterlassen wir solche Spülungen.
Intim- und Katheterpflege
  • Vor und nach jeder Pflegemaßnahme führt die Pflegekraft eine hygienische Händedesinfektion durch.
  • Wir prüfen regelmäßig, ob der Katheter durchgängig ist.
  • Beim Mann wird der Penis regelmäßig auf die Ausbildung eines Ödems der Vorhaut kontrolliert (sog. "Paraphimose").
  • Der Intimbereich und der Katheter werden zweimal täglich mit Waschlotion gesäubert. Waschlappen und Handtücher werden nach jeder Anwendung gewechselt.
  • Das aus dem Körper herausragende Katheterstück wird gereinigt. Wischrichtung ist vom Körper weg in Richtung Urinauffangbeutel.
  • Ablagerungen können mit einer dreiprozentigen Wasserstoffperoxid-Lösung ("H2O2") entfernt werden. Die Pflegekraft darf nicht am Katheter ziehen.
  • Wenn Sekretabsonderungen oder Verkrustungen auftreten, wird die Eintrittsstelle des Katheters zweimal täglich desinfiziert. Wir nutzen dafür Octenisept oder Betaisodona.

(Hinweis: Der Nutzen von regelmäßigen Schleimhautdesinfektionen zur Vermeidung von Harnwegsinfektionen ist umstritten. Offenbar kommt es nur zu einer kurzfristigen Reduktion der Keimbesiedlung im Bereich der Harnröhrenöffnung.)

  • Wir prüfen, ob der Bewohner in der Lage ist, die Intimpflege eigenständig durchzuführen. Wenn es daran Zweifel gibt, wird diese Maßnahme frühzeitig von den Pflegekräften übernommen.
  • Wir stellen sicher, dass nach jedem Stuhlgang eine umfassende Reinigung erfolgt. Wenn der Katheter mit Stuhl verschmutzt ist, wird dieser mit sterilen Kompressen und einem Schleimhautantiseptikum gereinigt. Die Wischrichtung ist immer von der Harnröhrenöffnung weg in Richtung Gesäß.
Durchführung: Umgang mit dem Harnableitungssystem
  • Das Harnableitungssystem muss immer geschlossen bleiben, da es sonst leicht zu Infektionen kommen kann. Nur bei therapeutischen Blasenspülungen, Medikamentenapplikationen oder anderen besonderen Umständen darf das System geöffnet werden. Danach wird das Harnableitungssystem ausgetauscht.
  • Wir nutzen spezielle Halterungen, um den Urinbeutel sicher zu fixieren. Wir stellen sicher, dass der Urinbeutel stets unterhalb des Blasenniveaus gelagert wird, um einen Rückfluss von Urin in die Blase zu vermeiden. (Hinweis: Neue Produkte bieten zumeist eine Rückflussblockierung.) Bei Lagerungen o.ä. Maßnahmen kann es notwendig sein, den Beutel für einige Momente höher als Blasenniveau zu lagern. In diesem Fall wird der Zuleitungsschlauch kurzfristig abgeklemmt.
  • Die Pflegekraft stellt sicher, dass der Schlauch des Harnableitungssystems nicht abgeknickt oder verdreht ist oder durchhängt. Eine dadurch ausgelöste Harnstauung begünstigt die Keimvermehrung.
  • Der Katheter sollte ohne Zug am Unterbauch in Richtung Leiste liegen. Der Bewohner darf nicht auf dem Schlauch liegen. Dieses kann ebenfalls zu einer Harnstauung oder zu Druckstellen führen.
  • Das Harnableitungssystem wird so aufgehängt, dass es den Fußboden nicht berührt. Der Ablasshahn muss immer in der Lasche stecken.
  • Der Urinbeutel wird entleert, bevor der Urin mit der Rücklaufsperre in Kontakt kommt. Das Ventil bleibt dabei geöffnet, bis das System vollständig entleert wurde. Danach wird das Ventil mit einem alkoholischen Desinfektionsmittel besprüht. Der Urin darf nicht spritzen oder nachtropfen und somit eine Umgebungskontamination verursachen.
  • Der Ablassstutzen darf nicht mit dem Auffanggefäß oder mit dem Boden in Kontakt kommen.
  • Die Pflegekraft trägt dabei unsterile Handschuhe, um eine Keimübertragung zu vermeiden.
Weiteres
  • Katheterträger, die mobil sind und sich außerhalb des Bettes bewegen, sollten ggf. einen Auffangbeutel nutzen, der unter der Kleidung getragen werden kann. Wenn dieses nicht möglich ist, sollte der Urinbeutel in ein Tragesystem mit Haltegriff gehängt werden. Dieses kann falls nötig auf dem Fußboden abgestellt werden.
  • Bei immobilen Seniorinnen kann eine sterile, eingeschnittene Kompresse vor der Harnröhrenöffnung platziert werden. Diese nimmt Sekret auf und bietet einen rudimentären Schutz bei Stuhlinkontinenz.
Nachbereitung:
  •  Alle relevanten Beobachtungen werden dokumentiert und ggf. dem behandelnden Hausarzt berichtet.
  • Verweilkatheter können je nach Materialeigenschaften und Neigung zu Verkrustungen mehrere Wochen liegen bleiben und werden nach ärztlicher Anweisung gewechselt.
  • Ggf. wird die Pflegeplanung aktualisiert. Die Notwendigkeit einer Katheterisierung wird kritisch hinterfragt. Die Maßnahme wird stets so schnell wie möglich beendet.
Dokumente:
  • Berichtsblatt
  • Leistungsnachweis medizinische Behandlungspflege Fragen an den Arzt
Verantwortlichkeit / Qualifikation:
  • Pflegefachkraft
 
   
 
 
Weitere Informationen zu diesem Thema
Schlüsselwörter für diese Seite Blasenkatheter; Prophylaxe; Katheterisierung; Inkontinenz; Einmalkatheterisierung; Dauerkatheterisierung; Urinbeutel
Genereller Hinweis zur Nutzung des Magazins: Zweck unserer Muster und Textvorlagen ist es nicht, unverändert in das QM-Handbuch kopiert zu werden. Alle Muster müssen in einem Qualitätszirkel diskutiert und an die Gegebenheiten vor Ort anpasst werden. Unverzichtbar ist häufig auch eine inhaltliche Beteiligung der jeweiligen Haus- und Fachärzte, da einzelne Maßnahmen vom Arzt angeordnet werden müssen. Außerdem sind etwa einige Maßnahmen bei bestimmten Krankheitsbildern kontraindiziert.