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Standard "Applikation von Medikamenten mittels PEG-Sonde"

 
Selbst erfahrene Pflegekräfte werden vorsichtig, wenn es daran geht, Medikamente per Magensonde zu verabreichen. Schon kleine Fehler können dazu führen, dass die Sonde verstopft, Medikamente überdosiert werden - oder gar nicht erst wirken. Mit einem guten Standard lassen sich die Risiken deutlich reduzieren.
 

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Wichtige Hinweise:

  • Zweck unseres Musters ist es nicht, unverändert in das QM-Handbuch kopiert zu werden. Dieser Pflegestandard muss in einem Qualitätszirkel diskutiert und an die Gegebenheiten vor Ort anpasst werden.
  • Unverzichtbar ist immer auch eine inhaltliche Beteiligung der jeweiligen Haus- und Fachärzte, da einzelne Maßnahmen vom Arzt angeordnet werden müssen. Außerdem sind etwa einige Maßnahmen bei bestimmten Krankheitsbildern kontraindiziert.
  • Dieser Standard eignet sich für die ambulante und stationäre Pflege. Einzelne Begriffe müssen jedoch ggf. ausgewechselt werden, etwa "Bewohner" gegen "Patient".
 

Standard "Applikation von Medikamenten mittels PEG-Sonde"

Definition:
  • Eine PEG-Sonde besteht aus durchsichtigem flexiblem Kunststoff. Sie ermöglicht eine schnelle und komplikationsarme Ernährung von Bewohnern, denen eine orale Nahrungszufuhr auf absehbare Zeit nicht ausreichend oder gar nicht mehr möglich ist. Dies betrifft etwa Bewohner mit Apoplex, Demenz oder dem apallischen Syndrom.
  • Grundsätzlich ist es auch möglich, Medikamente mittels PEG zuzuführen, allerdings mit mehreren Einschränkungen. Aufgrund des geringen Lumens des zuführenden Schlauches müssen Tabletten oder Gelantinekapseln gemörsert oder aufgelöst werden. Zudem muss sichergestellt werden, dass die Medikamente weder die Magenschleimhäute angreifen noch ihrerseits durch die Magensäure beeinträchtigt werden.
Grundsätze:
  • Jede Bearbeitung eines Medikaments, etwa die Zermörserung oder die Auflösung, wird immer auch die Wirkungsweise beeinflussen.
  • Eine orale Applikation von Medikamenten ist stets vorzuziehen. Die Verabreichung mittels PEG ist nur dann sinnvoll, wenn der Bewohner unter Kontraindikationen leidet, insbesondere unter Bewusstlosigkeit oder unter schweren Schluckstörungen.
  • Strikte Voraussetzung für die Applikation von Medikamenten über die PEG ist eine entsprechende ärztliche Anordnung. Wir bitten stets um eine schriftliche Verordnung. Mündliche Verordnungen, die nicht von mindestens zwei Pflegekräften bezeugt werden können, werden nicht ausgeführt.
  • Der Beipackzettel wird genau gelesen und die Vorgaben werden sorgfältig eingehalten. Wenn die Applikation per PEG unsicher erscheint, wird das Medikament nicht verabreicht.
Ziele:
  • Die Medikamente werden sicher appliziert.
  • Nebenwirkungen werden frühzeitig und korrekt erkannt.
  • Per PEG applizierbare Medikamente werden sicher von nicht applizierbaren Medikamenten unterschieden.
  • Die Magensonde wird nicht durch Medikamente oder aufflockende Nahrungsmittel verstopft.
Vorbereitung: allgemeine Maßnahmen
  • Die Anzahl der Medikamente, die mittels PEG verabreicht werden, sollte so gering wie möglich gehalten werden. Wir drängen im Dialog mit dem behandelnden Arzt stets auf eine Reduzierung auf das Mindestmaß sowie alternative Applikationswege.
  • Flüssige Medikamente sind verträglicher und werden daher von uns bevorzugt. Geeignet sind also vor allem Tropfen und Säfte. Feste Arzneimittel werden nur dann per PEG verabreicht, wenn es keine Alternative gibt.
  • Die Medikamente sollten nicht vorab der Sondennahrung zugemischt werden. Zum einen kann dieses dazu führen, dass die Nahrung aufflockt und die Sonde verstopft. Außerdem kann eine zu langsame Gabe der Nahrungsmittel (mit den beigemischten Medikamenten) dazu führen, dass der therapeutische Wirkspiegel nicht erreicht wird.
  • Vor der Vergabe informiert sich die Pflegekraft über die Medikamentenverordnung, insbesondere die Zubereitungsart, Einnahmevorschriften, Einnahmezeitpunkt, zeitlicher Abstand zur Verabreichung von Sondenkost, mögliche Wechselwirkungen usw.
Vorbereitung: allgemeine Maßnahmen
Umgang mit verschiedenen Applikationsformen
Hinweis: Das Zermörsern von Medikamenten und Dragees ist nur dann sinnvoll, wenn die darin enthaltenen Wirkstoffe magenfreundlich sowie resistent gegen die Magensäure sind. Da es viele zehntausend Medikamente gibt, ermöglicht die folgende Liste nur einen groben Überblick. Sofern der Beipackzettel keine klaren Vorgaben macht, sollte Rücksprache mit dem Arzt, dem Apotheker oder dem Arzneimittelhersteller gehalten werden. Schriftliche Anweisungen sind aus haftungsrechtlichen Gesichtspunkten vorteilhaft.
  • Tabletten ohne Überzug dürfen zumeist gemörsert werden, insbesondere dann, wenn sie eine Bruchrille aufweisen. Wichtig ist, dass die Tablette zu einem gleichmäßig feinen Pulver zerkleinert wird.
  • Je nach Wirkstoff ist es zeitsparender, Tabletten einfach in stillem Wasser zerfallen zu lassen. Ggf. kann die Tablette in eine Spritze gegeben werden. Diese sollte mehr als 20 ml aufnehmen können. Der Kolben wird bis auf 5 ml hinein geschoben. Nun zieht die Pflegekraft 20 ml bis 25 ml Wasser auf und lässt die Tablette darin zergehen. Nachdem die Spritze geschüttelt wurde, kann ihr Inhalt nun über den Trichtereinsatz der Sonde appliziert werden.
  • Bei Manteltabletten, Filmtabletten und Dragees ist es wichtig zu wissen, warum diese mit einer Schutzschicht umgeben sind.
    • Besonders risikobehaftete Medikamente wie etwa Zytostatika dürfen nicht mit der Umwelt in Kontakt kommen. Sie können (wenn überhaupt) nur unter strengen Schutzvorkehrungen gemörsert werden.
    • Die Tabletten haben einen üblen Geruch oder einen abstoßenden Geschmack. Da sie unter Umgehung des Mundraumes in den Körper gelangen werden, dürfen diese gemörsert werden.
    • Viele Wirkstoffe zerfallen leicht. Mittels eines Schutzüberzuges werden sie vor Umwelteinflüssen wie Licht, Feuchtigkeit oder Sauerstoffkontakt geschützt. Diese Medikamente dürfen im Einzelfall gemörsert werden, sofern sie unmittelbar danach dem Bewohner appliziert werden. Bei Lichtempfindlichkeit sollte das Medikament während der Verarbeitung vor direkter Sonneneinstrahlung durch einen Sichtschutz geschützt werden.
    • Andere Medikamente werden vom Magensaft angegriffen oder greifen ihrerseits die Magenschleimhaut an. Sie sind daher mit einer Schutzschicht überzogen. Die Mörserung solcher Präparate ist riskant, da sie dann häufig nicht wie geplant den Darm erreichen.
  • Sublingualtabletten werden noch im Mund zersetzt und ihre Wirkstoffe über die Schleimhäute resorbiert. Diese Medikamente dürfen nicht per PEG verabreicht werden.
  • Weichgelantinekapseln dienen dazu, eine genau dosierte Flüssigkeitsmenge in den Magen zu transferieren. Sie können angestochen werden. Der Inhalt wird über die PEG appliziert. Wichtig ist, dass der gesamte Inhalt aus der Kapsel entnommen wird und kein Rest zurückbleibt. (Hinweis: Alternativ können Weichgelantinekapseln auch in warmem Wasser aufgelöst werden. Allerdings kann dieses bis zu 60 Minuten dauern.)
  • Hartgelantinekapeln dienen zumeist nur der präzisen Dosierung. Die beiden aufeinander gesteckten Komponenten können auseinander gezogen werden. Das darin enthaltene Pulver oder die Pellets werden dann über die Sonde verabreicht. Hinweise:
    • In einigen Fällen dient die Hartgelantineschicht dem Schutz vor der Magensäure. Diese Medikamente können nicht per PEG appliziert werden.
    • Wenn die Pellets selbst per Überzug gegen die Magensäure geschützt sind, ist die Applikation unproblematisch.
    • Pellets können dünne Sonden leicht verstopfen.
  • Tabletten, Kapseln, Dragees oder Pellets mit Retardfunktion dürfen zumeist nicht gemörsert werden. Dieses würde dazu führen, dass die Wirkung zu früh oder zu stark einsetzt und außerdem zu schnell wieder nachlässt. Ggf. kann es sinnvoll sein, mit dem Arzt die Umstellung auf unretardierte Arzneiformen zu prüfen.
  • Brausetabletten können in 50 ml aufgelöst und dann verabreicht werden. Je nach Medikament kann die Flüssigkeitsmenge auch erhöht werden.
notwendiges Material
  • Mörser
  • Spritze
  • keimfreies Wasser
  • ggf. Trichter
Durchführung:
  • Die Pflegekraft führt eine hygienische Händedesinfektion durch.
  • Falls notwendig zieht sie Schutzhandschuhe an.
  • Der Zufluss von Sondennahrung wird gestoppt.
  • Die Sonde wird mit 30 ml bis 60 ml Wasser gespült.
  • Die zermörserten Tabletten bzw. der Inhalt der Kapseln werden in lauwarmem Wasser aufgelöst. Konzentrierte Lösungen werden mit Wasser verdünnt. Dafür wird mindestens das doppelte Volumen an Wasser oder mindestens 30 ml genutzt.
  • Der aufgelöste bzw. verdünnte Wirkstoff wird mit einer Spritze aufgenommen.
  • Mit geringem Druck wird der Wirkstoff nun appliziert. Ggf. wird ein Trichter auf den Schlauch aufgesteckt.
  • Wenn mehrere Medikamente verabreicht werden sollen, so erfolgt eine Zwischenspülung mit etwa 5 ml bis 10 ml Wasser. Die Wirkstoffe werden nicht gemeinsam verabreicht.
  • Wenn das letzte Medikament verabreicht wurde, wird die Sonde mit 30 ml bis 60 ml Wasser nachgespült.
  • Ggf. kann die Sondennahrung jetzt weiter appliziert werden.
Nachbereitung:
  • Die Pflegekraft fragt nach dem Befinden des Bewohners.
  • Die Klingel wird in Reichweite abgelegt.
  • Der Bewohner wird befragt, ob er weitere Wünsche habe.
  • Das verbrauchte Material wird entsorgt.
  • Die Pflegekraft führt eine hygienische Händedesinfektion durch.
  • Die Maßnahme wird im Leistungsnachweis dokumentiert.
  • Beobachtungen von Nebenwirkungen, etwa Hautveränderungen oder Schmerzäußerungen, werden dokumentiert und ggf. dem Hausarzt mitgeteilt.
  • Ggf. wird die Pflegeplanung angepasst.
Dokumente:
  • Medikamentenblatt
  • Leistungsnachweis
  • Berichtsblatt
  • Dokumentenblatt "Meldungen an den Arzt"
Verantwortlichkeit / Qualifikation:
  • Pflegefachkräfte
 
   
 
 
Weitere Informationen zu diesem Thema
Schlüsselwörter für diese Seite Medikament; Magensonde; Sondenernährung; PEG; PEJ
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