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Version 3.05a - 2017
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Standard "Aufziehen aus einer Glasampulle"

 
Das Aufziehen aus einer Glasampulle lässt wenig Spielraum für Fehler. Ein falscher Handgriff, und schon ist der Wirkstoff kontaminiert oder eine Spritze falsch beschriftet. Mit einem guten Standard können Sie Ihren Mitarbeitern die häufigsten Gefahrenquellen aufzeigen.
 

Wichtige Hinweise:

  • Zweck unseres Musters ist es nicht, unverändert in das QM-Handbuch kopiert zu werden. Dieser Pflegestandard muss in einem Qualitätszirkel diskutiert und an die Gegebenheiten vor Ort anpasst werden.
  • Unverzichtbar ist immer auch eine inhaltliche Beteiligung der jeweiligen Haus- und Fachärzte, da einzelne Maßnahmen vom Arzt angeordnet werden müssen. Außerdem sind etwa einige Maßnahmen bei bestimmten Krankheitsbildern kontraindiziert.
  • Dieser Standard eignet sich für die ambulante und stationäre Pflege. Einzelne Begriffe müssen jedoch ggf. ausgewechselt werden, etwa "Bewohner" gegen "Patient".


Dieses Dokument ist auch als Word-Dokument (doc-Format) verfügbar. Klicken Sie hier!

 

Standard "Aufziehen aus einer Glasampulle"
Definition:
  • Eine Glasampulle ist ein Behälter für zu injizierende Arzneimittel. Diese werden vom Hersteller steril abgefüllt. Es gibt Glasampullen zum Aufsägen und Glasampullen mit einem definierten Abbrechpunkt. In der Pflegepraxis sind Ampullen zum Aufsägen seltener zu finden. Üblich sind heute Brechampullen.
  • Die Sollbruchstellen aktueller Glasampullen sind i. d. R. mit einem weißen Ring oder mit einem Punkt markiert.
  • Die in der Ampulle enthaltene Menge des Medikaments wird vom Hersteller vorgegeben und kann die verschriebene Dosis übersteigen. In diesem Fall wird nur eine Teilmenge entnommen und der Rest verworfen.
  • Bei der Nutzung von Glasampullen besteht ein Risiko für Partikelkontaminationen. Beim Öffnen der Ampulle können winzige Glassplitter in die Lösung und dann in den Körper des Bewohners gelangen.
  • Das Aufziehen aus einer Glasampulle ist sehr komplex und stellt hohe Anforderungen an die Feinmotorik. Bewohner mit eingeschränkter Beweglichkeit können diese Maßnahme daher nicht ohne Hilfe durch eine Pflegekraft durchführen.
Grundsätze:
  • Die ausführende Pflegekraft hat die Durchführungsverantwortung und kann bei Fehlern haftbar gemacht werden.
  • Sicherheit geht vor. Bei jedem relevanten Verstoß gegen die Hygienevorgaben wird die Maßnahme wiederholt und das Material verworfen.
Ziele:
  • Das Medikament wird korrekt aus der Glasampulle entnommen und in die Spritze überführt.
  • Die gesamte Durchführung erfolgt aseptisch.
  • Die 5-R-Regel wird sorgfältig umgesetzt.
  • Pflegekräfte sind geschützt vor Stichverletzungen.
Vorbereitung: Qualifikation
  • Das Aufziehen von Spritzen ist Aufgabe von Pflegefachkräften.
  • Die korrekte Durchführung des Aufziehens wird regelmäßig per Pflegevisite kontrolliert.
weitere Maßnahmen
  • Die Pflegekraft studiert sorgfältig die Pflegedokumentation, insbesondere die ärztlichen Verschreibungen und die Produktinformationen des Medikaments.
  • Die Pflegekraft sorgt für gute Lichtverhältnisse.
  • Die Arbeitsfläche wird desinfiziert.
  • Die Pflegekraft führt eine hygienische Händedesinfektion durch und zieht die Einmalhandschuhe über. (Einmalhandschuhe sind dann sinnvoll, wenn ein Hautkontakt mit dem Medikament vermieden werden muss. Dieses ist etwa bei hautgängigen oder stark allergen wirkenden Substanzen der Fall.)
  • Die Pflegekraft stellt sicher, dass die "5-R-Regel" bei der Medikamentenapplikation angewandt wird. Also:
    • richtiger Bewohner
    • richtige Zeit
    • richtiger Wirkstoff
    • richtige Dosis
    • richtige Applikationsform
  • Die Pflegekraft stellt sicher, dass das Haltbarkeitsdatum des Medikaments nicht überschritten ist und dass die Verpackung intakt ist. Wichtig sind zudem Trübungen, Ausfällungen oder Verfärbungen.
  • Die Pflegekraft kontrolliert die Haltbarkeitsdaten, die auf den Verpackungen der Spritze und der Kanüle aufgedruckt sind. Sie stellt auch sicher, dass beide Verpackungen keine Beschädigungen aufweisen.
  • Die Spritze wird nicht aus der Verpackung herausgedrückt. Dieses könnte zu einer Kontamination führen. Die Verpackung wird auseinandergezogen, danach wird die Spritze entnommen (“Peel-off-System”). Bei der Kanüle ist ebenso zu verfahren. Die Spritze und die Kanüle werden zusammengesetzt, ohne dabei den Spritzenkonus und den Kanülenansatz zu berühren.
notwendiges Material
  • Flächendesinfektionsmittel
  • Medikamententablett
  • Ampullensäge/-feile
  • sterile Injektionskanüle
  • sterile Aufziehkanüle
(Hinweis: Bei der Aufziehkanüle sollte ein möglichst geringes Lumen gewählt werden, damit keine Glassplitter aufgesaugt werden. Alternativ kann eine Kanüle mit Partikelfilter genutzt werden.)
  • sterile Spritze
  • Ampulle mit dem vom Arzt verordneten Medikament
  • Tupfer
  • Einmalhandschuhe
  • stichsicherer Abwurfbehälter
Durchführung: Aufziehen
  • Die Ampulle wird stets erst unmittelbar vor dem Aufziehen geöffnet. Ggf. wärmt die Pflegekraft die Ampulle mit der Hand auf.
  • Oftmals sammelt sich im Ampullenkopf (“Glasolive”) ein Teil des Wirkstoffs. Um das Medikament vollständig aufnehmen zu können, ist es notwendig, diese Flüssigkeit in den Ampullenbauch (Corpus) zu befördern. Da die Lösung nicht von allein zurückfließt, können drei Methoden genutzt werden:
    • Methode 1: Die Pflegekraft klopft vorsichtig gegen die Ampulle.
    • Methode 2: Der Inhalt wird aus dem Handgelenk "heruntergeschlagen", ähnlich der Bewegung bei Quecksilberthermometern
    • Methode 3: Die Pflegekraft führt eine schnelle Kreisbewegung aus. Durch die Rotationskräfte wird die komplette Flüssigkeit in den Ampullenbauch gezogen.

  • Die Pflegekraft umgreift mit dem Zeigefinger und mit dem Daumen die Ampulle. Mit einem Tupfer zwischen Ampullenhals und Zeigefinger schützt sie sich dabei vor Schnittverletzungen. Gefahren gehen vom eventuell brechenden Ampullenkopf, dem Ampullenhals sowie von Splittern aus. Der Tupfer muss daher über die gesamte Glasolive gelegt werden.
  • Die Sollbruchstelle (also z. B. der Punkt am Köpfchen) muss der Pflegekraft zugewandt sein. Die Bruchrichtung erfolgt entgegengesetzt zu dieser Markierung.
  • Nun kann der Ampullenhals mit einem leichten Ruck nach hinten abgebrochen werden. Alternativ kann der Ampullenhals mit einer Ampullensäge geöffnet werden.
  • Sollte der gesamte Ampullenhals zerbrechen, wird das Medikament verworfen. Das Risiko durch Glassplitter ist zu groß.
  • Der abgetrennte Ampullenkopf wird mit dem Tupfer in der Abwurfbox entsorgt.
  • Die Kappe der Aufziehkanüle wird entfernt. Jeder Kontakt der Kanüle mit der Hand der Pflegekraft muss unterbleiben.
  • Die Kanüle wird senkrecht in die Glasampulle eingeführt, ohne dabei den Ampullenrand zu berühren.
  • Die Pflegekraft zieht die Spritze auf. Dabei sollte die Ampulle etwas schräg gehalten werden. Ggf. wird auch die Spritze gedreht, damit der Anschliff der Kanüle in der richtigen Position ist, um den Wirkstoff restlos aufzunehmen.
  • Nach dem vollständigen Aufziehen der Injektionslösung wird die Spritze mit der Kanüle nach oben gehalten. Ein leichtes Beklopfen des Spritzenzylinders befördert die Luftblasen zum Konus. Dann drückt die Pflegekraft die Luft aus dem Zylinder. Die Spritze wird bis zum Konus entlüftet. Dieses muss umsichtig geschehen, da ansonsten zu viel Flüssigkeit verspritzt wird. Es wäre dann keine korrekte Dosierung mehr möglich.
  • Die Aufziehkanüle wird im Abwurfbehälter entsorgt. Sie wird nicht in die zugehörige Hülle zurückgesteckt. Auch eine Wiederverwendung ist unzulässig; Aufziehkanülen sind Einmalartikel.
  • Die Aufziehkanüle darf nicht am Entsorgungsgefäß abgestreift werden, da dieses den Spritzenkonus unsteril machen würde. Die Kanüle wird mit den Fingern entfernt.
  • Nun verbindet die Pflegekraft die Applikationskanüle mit der Spritze. Die Plastikkappe der Injektionskanüle bleibt aufgesteckt.
  • Die vorbereitete Spritze wird mit einem Klebeetikett versehen, auf dem die Bezeichnung des Medikaments, die Dosierung und der volle Name des Bewohners gut lesbar sind. Die Graduierung der Spritze darf dabei nicht überklebt werden.
  • Die aufgezogene Spritze wird gemeinsam mit der Ampulle auf dem Medikamententablett abgelegt.
(Hinweis: Für die eindeutige Zuordnung der Spritze zum Inhalt gibt es verschiedene Ordnungssysteme. Mitunter wird die leere Ampulle auch mittels Leukosilk an die Spritze geklebt.)
Sicherheit
  • Auf keinen Fall wird eine Kanüle zurück in die Plastikkappe gesteckt (“Recapping”).
  • Eine Spritze, deren Inhalt nicht mehr zweifelsfrei identifiziert werden kann, muss verworfen werden. Dieses ist insbesondere dann der Fall, wenn die Spritze weder beschriftet ist, noch eine leere Ampulle sicher zugeordnet werden kann.
  • Für die Injektion wird niemals die Aufziehkanüle genutzt. Deren Spitze kann durch das Aufziehen des Wirkstoffs verformt sein. In der Folge steigt das Risiko von Verletzungen der Vene.
  • Die Vorbereitung der Spritze erfolgt stets möglichst zeitnah zur Injektion.
Nachbereitung:
  • Der Arbeitsplatz wird aufgeräumt.
  • Das verwendete Material wird ggf. sicher entsorgt.
  • Die Maßnahme wird sorgfältig dokumentiert.
  • Die Injektion erfolgt gemäß dem jeweiligen Standard.
Dokumente:
  • Medikamentenblatt
Verantwortlichkeit / Qualifikation:
  • Pflegefachkräfte
 
 
 
 
Weitere Informationen zu diesem Thema
Schlüsselwörter für diese Seite Glasampulle; Injektion; Schmerz; Medikament; Spritze
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