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Version 3.08a - 2015
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Standard "subkutane Injektion"

 
Selbst bei einer so fundamentalen Pflegemaßnahme wie der subkutanen Injektion gibt es in der Pflegewissenschaft keinen Konsens. Die Notwendigkeit einer Hautdesinfektion ist ebenso strittig wie die Nutzung von Schutzhandschuhen oder die Aspiration. Daher ist es wichtig, die Durchführung zumindest innerhalb des eigenen Pflegeteams zu vereinheitlichen.
 

Wichtige Hinweise:

  • Zweck unseres Musters ist es nicht, unverändert in das QM-Handbuch kopiert zu werden. Dieser Pflegestandard muss in einem Qualitätszirkel diskutiert und an die Gegebenheiten vor Ort anpasst werden.
  • Unverzichtbar ist immer auch eine inhaltliche Beteiligung der jeweiligen Haus- und Fachärzte, da einzelne Maßnahmen vom Arzt angeordnet werden müssen. Außerdem sind etwa einige Maßnahmen bei bestimmten Krankheitsbildern kontraindiziert.
  • Dieser Standard eignet sich für die ambulante und stationäre Pflege. Einzelne Begriffe müssen jedoch ggf. ausgewechselt werden, etwa "Bewohner" gegen "Patient".


Dieses Dokument ist auch als Word-Dokument (doc-Format) verfügbar. Klicken Sie hier!

 

Standard "subkutane Injektion"
Definition:
  • Bei einer subkutanen Injektion (sog. "s.c.-Injektion") wird eine wässrige Lösung in die Subkutis (Unterhaut) appliziert. Die Wirkstoffe werden von dort über die Kapillargefäße in den gesamten Körper transportiert.
  • Diese Injektionsmethode hat den Vorzug, dass die Medikamente nicht schlagartig, sondern verteilt über einen längeren Zeitraum freigesetzt werden. Bis zum Wirkungseintritt vergehen i.d.R. rund 30 Minuten.
  • Die Resorptionsgeschwindigkeit kann überdies durch die Wahl des Injektionsortes beeinflusst werden. Die Applikation in den Oberschenkel führt zu einer vergleichsweise langsamen Freisetzung. Injektionen in den Bauch ermöglichen eine relativ schnelle Verfügbarkeit des Wirkstoffs.
  • Überdies ist die Technik vergleichsweise einfach zu beherrschen und komplikationsarm.
  • Alle Körperbereiche, die über eine ausgeprägte Unterhaut verfügen, sind für subkutane Injektionen geeignet, insbesondere:
    • Vorder- und Außenseite des Oberschenkels. Der Bereich endet eine Handbreit über dem Knie.
    • Unterhalb des Bauchnabels. Rund um den Bauchnabel sollte ein zwei Zentimeter breiter Bereich nicht für Injektionen genutzt werden.
    • Außenseite der Oberarme. Es ist zu beachten, dass die Unterhaut hier relativ dünn ist. Ein zu tiefer Einstich würde daher leicht die Muskulatur treffen. Kachektische Bewohner erhalten keine Injektionen in den Oberarm, da eine Fehlinjektion in den Deltamuskel droht.
    • Rückenbereich ober- und unterhalb des Schulterblatts. Diese Region ist allerdings nicht für Selbstinjektionen durch den Bewohner geeignet.



  • Die Grafik zeigt die möglichen subkutanen Injektionsorte. Um Komplikationen zu vermeiden, sollten nach Möglichkeit Applikationsorte der ersten Wahl (blau) genutzt werden. Sind diese nicht verfügbar, kann auf Injektionsorte der zweiten Wahl (grün) zurückgegriffen werden.
  • Hygienemängel bei Injektionen können zur Keimverschleppung und zu einem Spritzenabszess führen. Gefährdet sind insbesondere Diabetiker sowie immunsupprimierte Senioren.
Grundsätze:
  • Wir arbeiten eng mit dem behandelnden Arzt zusammen. Alle Maßnahmen werden sorgfältig mit dem Mediziner besprochen.
  • Die ausführende Pflegefachkraft hat die Durchführungsverantwortung. Injektionen werden nur unter folgenden Voraussetzungen durchgeführt:
    • Der Bewohner hat dieser Maßnahme zugestimmt.
    • Die Pflegefachkraft ist für die Injektion qualifiziert und autorisiert.
    • Es liegt eine rechtssichere Anordnung des Arztes vor.
    • Die Pflegefachkraft ist der Ansicht, dass das Material einwandfrei ist.
  • Bei allen Injektionen wird zur Verhinderung von Fehlmedikationen die "6-R-Regel" angewendet.
  • Wir beachten das Prinzip der aktivierenden Pflege. Wir übernehmen die Injektion nur, wenn der Bewohner die Applikation nicht eigenständig durchführen kann.
Ziele:
  • Das Medikament wird in das subkutane Fettgewebe verabreicht.
  • Die Schmerzbelastung ist möglichst gering.
  • Infektionen werden vermieden.
  • Gewebeschäden werden minimiert.
Vorbereitung: Indikation / Kontraindikation
  • Subkutane Injektionen werden nicht durchgeführt, wenn der Bewohner unter Schock steht oder wenn die Einstichstelle ödematös oder entzündet ist.
  • Kontraindiziert sind subkutane Injektionen auch bei Störungen der Hautdurchblutung, bei Blutungsneigung und bei einer Antikoagulantientherapie.
  • Die Extremität darf nicht gelähmt sein oder oberflächlich verlaufende Gefäße ("Besenreiser") aufweisen. Auch Injektionen in Narbengewebe, Mückenstiche, Muttermale oder in der Nähe von Wunden sind zu unterlassen.
  • Wenn keine gesunden Hautbereiche verfügbar sind, wird der Arzt informiert. Er muss dann eine andere Verabreichungsform wählen.
  • Diese Injektionsform wird insbesondere bei Insulin- und bei Heparinapplikationen genutzt. Auch Schmerzmittel werden häufig per s.c.-Injektion verabreicht. Ölhaltige Medikamente dürfen nicht subkutan injiziert werden, da es dann zu Nekrosen kommen kann.
Organisation:
  • Die korrekte Durchführung von subkutanen Injektionen wird regelmäßig per Pflegevisite kontrolliert.
  • Unsere Mitarbeiter werden regelmäßig fortgebildet. Insbesondere üben wir das richtige Injizieren.
  • Bei allen Injektionen wird die "6-R-Regel" zur Verhinderung von Fehlmedikamentierungen angewendet.
  • Wir injizieren Medikamente stets unmittelbar nach dem Aufziehen.
  • Für jede Injektion wird eine neue Kanüle verwendet. Eine Wiederverwendung einer Kanüle ist unsteril und kann die Schmerzbelastung erhöhen.
  • Wir verwenden soweit möglich Schutzsysteme zur Verhinderung von Stichverletzungen (Sicherheitszylinder, Kanülen mit Sicherheits-Clip usw.). Kanülen dürfen nach der Benutzung nicht in die Schutzkappen zurückgesteckt werden ("Recapping").
  • Bei Fertigspritzen ist häufig eine Luftblase in das Medikament eingearbeitet. Diese stellt sicher, dass der Wirkstoff bei der Injektion vollständig appliziert wird.
Material:
Wir stellen das notwendige Material zusammen. Es erfolgt eine Flächendesinfektion der Arbeitsfläche. Die Pflegekraft richtet die Gegenstände und überprüft diese auf Vollständigkeit.
  • Spritzentablett
  • verordnete Injektionslösung; ggf. Ampullensäge
  • Zellstofftupfer mit Desinfektionsmittel
  • Aufziehkanüle
  • sterile Injektionskanüle
  • Schutzhandschuhe
  • stichsicherer Abwurfbehälter
  • Händedesinfektionsmittel
weitere Maßnahmen
  • Die Pflegekraft sorgt für gute Lichtverhältnisse während der Injektion.
  • Es werden Maßnahmen zur Wahrung der Intimsphäre getroffen (die Zimmertür wird geschlossen, etwaige Besucher werden kurz vor die Tür gebeten usw.)
  • Die Pflegekraft führt eine hygienische Händedesinfektion durch und zieht die Schutzhandschuhe an. (Hinweis: Die Notwendigkeit von Einmalhandschuhen ist umstritten. Wir nutzen grundsätzlich bei jeder Injektion Handschuhe, da es zum Kontakt mit Blut und mit gefährlichen Krankheitserregern kommen kann.)
  • Der Bewohner wird über den Zweck der Injektion aufgeklärt und um Zustimmung gebeten.
  • Der Bewohner wird ggf. umgelagert, damit die Pflegekraft die Einstichstelle sicher erreichen kann. Das benötigte Material wird auf dem Beistelltisch/Nachttisch abgelegt und nicht auf dem Bett des Bewohners.
  • Die Pflegekraft entfernt störende Kleidung.
Durchführung:
  • Wenn die Injektion von einer Pflegekraft durchgeführt wird, muss der Hautbereich desinfiziert werden. Die Pflegekraft wartet die Einwirkzeit ab. Eine Desinfektion ist ggf. verzichtbar, falls der Bewohner die Applikation selbst vornimmt, etwa bei einer Insulininjektion.



  • Die Pflegekraft formt mit dem Daumen und mit dem Zeigefinger eine zwei bis drei Zentimeter dicke Hautfalte und hebt diese ab, ohne die Einstichstelle zu berühren. (Der Begriff "abheben" ist in der Fachliteratur üblich, aber eigentlich nicht ganz korrekt. Tatsächlich ist es mehr ein "Zusammenschieben" der Haut, da nur das Unterhautfettgewebe, nicht aber die darunter liegende Muskelschicht zu einer Falte geformt werden solle. Muskelgewebe ist fester als die darüberliegende Haut und lässt sich daher durch Tasten i.d.R. einfach abgrenzen.
  • Um das Schmerzempfinden zu reduzieren, drückt die Pflegekraft die Hautfalte kurz vor der Injektion zusammen. (Achtung: Dieses ist nicht bei allen Medikamenten möglich, wie etwa bei Heparin.)
  • Die Pflegekraft sticht zügig 1 bis 2 Zentimeter in die Hautfalte ein. Der dabei gewählte Einstichwinkel ist abhängig von der Kanülenlänge und vom Ernährungszustand des Bewohners.
    • Fertigspritzen (z.B. Heparin) mit einer Kanülenlänge von 12 mm werden in einem 90

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Weitere Informationen zu diesem Thema
Schlüsselwörter für diese Seite Injektion; Stichverletzungen; Kanüle; Hochstetter; Hämatom; Spritzenabszess
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