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Standard "Hausapotheke / Umgang mit Medikamenten "

 
Die Hausapotheke vieler Klienten ist kaum mehr als eine Deponie abgelaufener Medikamente, Flohmittel für den Hund und Verbandsmaterialien, bei denen die Bezeichnung "unsteril" noch geschmeichelt wäre. Schon aus Eigeninteresse sollten ambulante Pflegekräfte ein Auge auf das Schränkchen haben.
 

Wichtige Hinweise:

  • Zweck unseres Musters ist es nicht, unverändert in das QM-Handbuch kopiert zu werden. Dieser Pflegestandard muss in einem Qualitätszirkel diskutiert und an die Gegebenheiten vor Ort anpasst werden.
  • Unverzichtbar ist immer auch eine inhaltliche Beteiligung der jeweiligen Haus- und Fachärzte, da einzelne Maßnahmen vom Arzt angeordnet werden müssen. Außerdem sind etwa einige Maßnahmen bei bestimmten Krankheitsbildern kontraindiziert.
  • Dieser Standard eignet sich für die ambulante und stationäre Pflege. Einzelne Begriffe müssen jedoch ggf. ausgewechselt werden, etwa "Bewohner" gegen "Patient".

 

Dieses Dokument ist auch als Word-Dokument (doc-Format) verfügbar. Klicken Sie hier!

 
Standard "Hausapotheke / Umgang mit Medikamenten "
Definition:
  • Viele unserer Klienten sind mit der eigenständigen Einnahme von Medikamenten überfordert. Daher ist es unsere Aufgabe, den Betroffenen dabei zu unterstützen. Wir helfen bei der Beschaffung und Lagerung der Präparate, bei der Zubereitung und bei der Einnahme.
  • In einer Hausapotheke werden alle für die ärztliche Versorgung benötigten Arzneimittel gelagert. Aus diesem Vorrat entnehmen wir die Präparate, die der Klient regelmäßig nehmen muss. Zudem werden Bedarfsmedikamente bereitgehalten. Also etwa Analgetika zur Linderung von Kopf- oder Zahnschmerzen.
Grundsätze:
  • Das Stellen von Medikamenten ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die höchste Konzentration erfordert. Die dafür notwendigen zeitlichen und personellen Ressourcen werden stets bereitgestellt.
  • Jede Form von Hektik bedeutet eine Gefahr für die Gesundheit unserer Klienten.
  • Der Klient entscheidet allein darüber, welche Medikamente er einnimmt. Er hat insbesondere das Recht, alternative Heilmethoden zu nutzen wie etwa Homöopathie.
  • Die vorausschauende Bestimmung des Medikamentenbedarfs des Klienten ist unsere Aufgabe.
  • Medikamente werden grundsätzlich nur nach schriftlicher ärztlicher Anordnung vorbereitet und verabreicht.
  • Wir arbeiten eng mit dem Hausarzt zusammen. Seine Vorgaben werden sorgfältig umgesetzt. Jede Abweichung wird dem Hausarzt umgehend mitgeteilt.
Ziele:
  • Jeder Klient erhält die für ihn vorgesehenen Medikamente. Die "6-R-Regel" wird genau befolgt.
  • Alle hygienischen Vorschriften werden genau befolgt.
  • Medikamente werden nicht verschwendet.
  • Die kontinuierliche Versorgung des Klienten ist gesichert. Es gibt keine Versorgungsengpässe.
Vorbereitung: Beratung zur Hausapotheke
  • Beim Erstbesuch des Klienten in der eigenen Häuslichkeit prüfen wir auch die Hausapotheke.
  • Bei vielen Apotheken zählt die Überprüfung der Hausapotheke ebenfalls zum Kundenservice. Ein Mitarbeiter der Apotheke überprüft vor Ort die Lagerungsbedingungen und den Bestand. Er empfiehlt die wichtigsten Medikamente und Verbandsmittel für den Haushalt. Altmedikamente werden kostenfrei entsorgt.
  • Der Platz für die Hausapotheke sollte kühl, lichtgeschützt und trocken sein. I.d.R. kommt das Schlafzimmer diesen Anforderungen am nächsten. In der Küche oder im Badezimmer sollte die Hausapotheke nicht aufgestellt werden.
  • Kinder (also Enkel- und Urenkel des Klienten) sollten keinen Zugriff auf das Schränkchen haben, wenn sie zu Besuch kommen. Alternativ wird das Schränkchen abgeschlossen.
  • Die Nutzung einer verschließbaren Hausapotheke ist auch sinnvoll bei dementiell veränderten Senioren. Um Aggressionen wegen dieser Sicherungsmaßnahme zu vermeiden, kann das Schränkchen mit einer kleinen Decke getarnt werden.
notwendiger Bestand

Wir stellen sicher, dass der Klient zusätzlich zu den verordneten Medikamenten über einen Grundstock der am häufigsten benötigten Arzneimittel verfügt. Auf Wunsch beschaffen wir eine komplette Erstausstattung für den Klienten und rechnen die Kosten mit ihm ab. Folgende Inhalte sollten verfügbar sein (abhängig vom Gesundheitszustand und Krankheitsbild des Klienten):

  • Verbandstoffe: Heftpflaster, Wundschnellverbände, elastische Binden, Mullbinden, sterile Kompressen, Verbandspäckchen, spezielle Blasenpflaster, Kühlkompresse (Lagerung im Kühlschrank oder im Eisfach), Augenklappe
  • Arzneimittel: Gel für Insektenstiche, Gel für Sonnenbrand, kühlendes und abschwellendes Gel gegen Verbrennungen, Mittel gegen Allergien, Wund-Desinfektionsmittel, Schmerzmittel für Kopf oder Zahnschmerzen, krampflösende Zäpfchen, Beruhigungsmittel (z.B. Baldriantropfen), Mittel gegen Durchfall, Mittel gegen Verstopfung, für Frauen ggf. Mittel gegen Pilzinfektionen der Scheide, Kreislaufmittel, Hustensaft, Nasentropfen, Mittel zur Linderung von grippalen Infekten, Salbe gegen Muskelzerrungen, Halspastillen, Gurgelmittel, Präparat gegen Mundschleimhautentzündung, therapeutisch nutzbare Teesorten (etwa Kamillentee, Pfefferminztee usw.)
  • Instrumente: Verbandschere, Sicherheitsnadeln, Splitterpinzette, Dreiecktuch, Wattestäbchen, Mundspatel, Wärmflasche, Im-Ohr-Fieberthermometer oder alternativ konventionelles Fieberthermometer, Plastik- bzw. besser Latexhandschuhe, Blutdruckmessgerät, Maske für die Mund-zu-Mund-Beatmung, Kondome (bei sexuell aktiven Klienten)
  • Verzeichnis der Telefonnummern für den Notfall: Polizei, Feuerwehr, nächstgelegenes Giftnotfallzentrum, Arzt, Krankenhaus, ärztlicher Notdienst, Apotheke

(Ein Medikamentenschrank mit verschließbarer Tür kostet rund 20 Euro. Ein Nachfüllset mit den wichtigsten rezeptfreien Medikamenten und Verbandsmaterial gibt es ab rund 50 Euro.)

Medikamentenversorgung
  • Wir kontrollieren regelmäßig den Bestand der Medikamente. Wenn ein verschreibungspflichtiges Präparat zur Neige geht, machen wir den Klienten bzw. die Angehörigen darauf aufmerksam. Diese fordern i.d.R. das neue Rezept an und holen das Medikament von der Apotheke ab. Falls notwendig und vereinbart können wir diese Aufgabe übernehmen. Größere Bestellungen wie etwa Verbandsmaterial lässt sich der Klient von der Apotheke anliefern.
  • Wir sorgen für ausreichende Reserven wichtiger Medikamente, um z.B. die Schließung der Praxis in den Sommerferien zu überbrücken.
Organisation
  • Medikamente werden maximal 24 Stunden vor Verabreichung gestellt.
  • Tropfen werden maximal eine Stunde vor Verabreichung gestellt.
  • Medikamente können auch von Auszubildenden oder Pflegekräften während der Einarbeitungsphase gestellt werden. In diesem Fall muss jedoch eine erfahrene Pflegekraft den Vorgang genauestens überwachen.
weitere Maßnahmen
  • Die Pflegekraft führt eine hygienische Händedesinfektion durch.
  • Die Pflegekraft säubert und desinfiziert den Arbeitsplatz.
  • Die Pflegekraft sorgt für geeignete Lichtverhältnisse.
  • Die Pflegekraft stellt sicher, dass die Medikamentenschälchen bzw. Medikamentendispenser hygienisch einwandfrei sind.
  • Die Pflegekraft stellt sicher, dass der Medikamentendispenser korrekt beschriftet ist, wenn mehr als eine Person im Haushalt wohnt.
  • Ein ausreichend großer Vorrat an farbig gekennzeichneten Tropfenschälchen steht bereit, also etwa Gelb für morgens, Rot für mittags und blau für abends.
  • Die Pflegekraft muss die Wirkungsweise sowie die Neben- und Wechselwirkungen aller von ihr verarbeiteten Medikamente kennen. Bei Fragen liest sie den Beipackzettel.
  • Das korrekte Stellen von Medikamenten wird regelmäßig per Pflegevisite überprüft.
Durchführung: Kontrolle
  • Beim Umgang mit Medikamenten gilt das Prinzip der dreifachen Kontrolle. Kontrolliert wird
    • bei der Entnahme des Medikaments aus dem Medikamentenschrank oder dem Vorratsbehälter
    • bei der Entnahme aus der Originalverpackung
    • beim Zurückstellen in den Medikamentenschrank
    • Grundlage des Medikamentenstellens ist ausschließlich das ärztliche Dokumentationsblatt. Die ärztliche Verordnung sollte nicht auf andere Formulare übertragen werden, um Übertragungsfehler zu vermeiden.
  • Die "6-R-Regel" wird beim Stellen der Medikamente strikt beachtet. Also:
    • Richtiger Klient. (Bei mehr als einem Pflegebedürftigen im Haushalt kann es Verwechselungen geben.)
    • Richtiges Medikament. Völlig unterschiedliche Medikamente können ähnlich klingende Namen haben.
    • Richtige Dosierung
    • Richtige Applikationsform
    • Richtige Zeit. Neben der Tageszeit können auch zeitliche Abstände zu anderen Medikamenten oder Ereignissen definiert werden; also etwa der richtige Spritz-Eß-Abstand bei Insulin.
    • Richtige Dokumentation. Die Verordnungsangaben müssen korrekt übertragen werden.
  • Vor der Verarbeitung stellt die Pflegekraft sicher, dass das Medikament intakt ist. Kriterien:
    • Das Verfallsdatum ist noch nicht erreicht.
    • Die Schutzverpackung (etwa Blister) ist unversehrt.
    • Die Medikamentenverpackung ist trocken und zeigt keine Flecken.
    • Es gibt keine Form- oder Farbveränderungen.
    • Bei Flüssigkeiten sind keine Ausflockungen, Trübungen, Geruchsveränderungen usw. bemerkbar.
weitere Maßnahmen
  • Die Verordnungsdaten müssen dem Medikamentenblatt zweifelsfrei zu entnehmen sein. Falls Fragen offen bleiben, bricht die Pflegekraft das Stellen ab und hält Rücksprache mit dem Arzt. Die Mindestkriterien für eine korrekte Verschreibung umfassen:
    • Name und Vorname des Klienten
    • Bezeichnung des Medikaments
    • Arzneiform, etwa "Tablette"
    • Applikationsintervall, etwa "dreimal täglich"
    • Dosierung in 24 Stunden, etwa "60 mg"
    • Applikationsart, etwa "per os".
    • ggf. Befristung der Medikamentengabe
  • Sofern dieses von der Apotheke noch nicht getan wurde, vermerkt die Pflegekraft alle wichtigen Informationen auf der Medikamentenverpackung. Etwa:
    • Lieferdatum
    • Anbruchsdatum
    • Name des Klienten
  • Die Fehlergefahr lässt sich senken, wenn sich die Pflegekraft während des Stellens die wichtigsten Daten selbst laut vorliest, also den Namen des Klienten, die Bezeichnung des Präparates, die korrekte Dosis usw.
  • Der Dispenser sollte direkt auf dem Dokumentationsblatt mit den Verordnungen abgestellt werden. Der direkte Blick lässt Fehler schneller sichtbar werden.
  • Nach Möglichkeit wird die Einzeldosis bei folienverschweißten Tabletten durch Abtrennung an der Perforation oder Abschneiden entnommen. Dieses ist hygienischer und ermöglicht jederzeit eine zweifelsfreie Identifikation des Medikaments.
  • Beim Abteilen der Blisterverpackung sollte darauf geachtet werden, dass auf jedem Teilstück der Name des Präparates noch lesbar ist.
  • Die Dosis wird stets aus der Packung entnommen, deren Verfallsdatum an schnellsten abläuft. Wir stellen damit sicher, dass die ältesten Medikamente zuerst verbraucht werden.
  • Die Packungen von neu angefangenen

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